Mixed Pixels – Digitalisiertes Archivgut online

Neue Quellen für die Forschung

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Urkarte der Gemarkung Watzhahn, 1783 mit späteren Berichtigungen, Flur 1 (HHStAW Best. 3011/2 Nr. 2754/2)
Urkarte der Gemarkung Watzhahn, 1783 mit späteren Berichtigungen, Flur 1 (HHStAW Best. 3011/2 Nr. 2754/2)

Neben der fortlaufenden Digitalisierung von Archivgut auf der Grundlage von Repro-Aufträgen und in der Bundessicherungsverfilmung werden im HLA auch regelmäßig groß angelegte, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Digitalisierungsmaßnahmen umgesetzt. Im Rahmen des bisher ambitioniertesten derartigen Projekts mit dem richtungsweisenden Titel „Neue Quellen für die Forschung“ werden seit 2018 Archivalien aus allen drei hessischen Staatsarchiven im Umfang von über 5 Millionen Seiten sukzessive in digitaler Form verfügbar gemacht. Es handelt sich um insgesamt mehr als 10.000 Amtsbücher aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, die massenhaft lokalgeographische wie auch genealogische Informationen zu hessischen Ortschaften enthalten.

Doppelseite des Brandkatasters von Marburg (HStAM Best. 224 Nr. 319)
Doppelseite des Brandkatasters von Marburg (HStAM Best. 224 Nr. 319)

Bereits 2019 konnten die mehr als 600 im Marburger Bestand 224 (Direktlink) überlieferten Brandkataster der Hessischen Brandversicherungsanstalt in Kassel online bereitgestellt werden. Die Brandversicherungsanstalt fungierte seit 1880 als Feuerversicherung für den gesamten Regierungsbezirk Kassel und zählte zu den ältesten derartigen Unternehmen. In den bis 1953 geführten Brandkatastern wurden alle brandversicherten Gebäude und gleichzeitig auch alle Einwohner einer Gemeinde nach Straßennamen aufgelistet.

Doppelseite des Topographischen Güterverzeichnisses der Gemarkung Pfungstadt (HStAD Best. H 23 Nr. 605)
Doppelseite des Topographischen Güterverzeichnisses der Gemarkung Pfungstadt (HStAD Best. H 23 Nr. 605)

Auch der umfangreiche Bestand H 23 (Direktlink) des Staatsarchivs Darmstadt enthält Katasterdokumente. Sie reichen bis in die 1830er Jahre zurück und setzen sich vor allem aus Güterverzeichnissen, Liegenschaftskarteien und Flurbüchern zusammen. Die beinahe 2.000 topographischen Güterverzeichnisse, die aufschlussreiche Angaben zu einzelnen Grundstücken und Gebäuden sowie deren Besitzern enthalten, wurden im zweiten Abschnitt des DFG-Projekts im Jahr 2020 in digitaler Form zugänglich gemacht.

Titelblatt von Band II des Stockbuchs von Dillenburg (HHStAW Best. 362/3 Nr. Dillenburg 2)
Titelblatt von Band II des Stockbuchs von Dillenburg (HHStAW Best. 362/3 Nr. Dillenburg 2)

Die Stockbücher der Abteilung 362 (z.B. Best. 362/3) des Hauptstaatsarchivs bilden eine einzigartige Kategorie von Amtsbüchern, denn sie wurden in den Jahren 1853/54 bis 1905 ausschließlich im Herzogtum Nassau geführt. Die Bücher enthalten ausführliche Informationen zum Immobilienvermögen einzelner Personen sowie den darauf liegenden Lasten und Pfandrechten. Sie umfassen mehr als 6.500 Bände und bilden damit den umfangreichsten Bestand, der im Rahmen des Projekts digitalisiert wurde. Es konnten bereits etwa 750.000 Images bereitgestellt werden, mehr als eine Million weitere folgen in den nächsten Wochen. Die spezielle Anordnung der Digitalisate in Arcinsys soll dabei die gezielte Nutzung der Stockbücher erleichtern, denn durch die Bündelung von Buchdeckeln, Vorbemerkungen und leeren Seiten am Ende der Bildfolge konnte eine Übereinstimmung zwischen der Seitenzahl der Stockbücher und der Image-Zahl im Viewer erzielt werden. Die Bücher werden aktuell durch Namensverzeichnisse inhaltlich erschlossen, so dass künftig in Arcinsys zu jedem enthaltenen Personennamen die entsprechende Seitenzahl ermittelt und direkt angesteuert werden kann.

Reinkarte der Stadt Dillenburg, Flur 49, 1876 mit späteren Berichtigungen (HHStAW Best. 3011/2 Nr. 3583/46)
Reinkarte der Stadt Dillenburg, Flur 49, 1876 mit späteren Berichtigungen (HHStAW Best. 3011/2 Nr. 3583/46)

Besonders große Aussagekraft entfalten die verschiedenen Katasterbücher im Zusammenhang mit den im HLA ebenfalls in großer Zahl vorliegenden Katasterkarten. Auch aus diesem Grund werden seit 2021 die mehr als 100.000 Katasterkarten des Hauptstaatsarchivs (Best. 3011/2) sukzessive digitalisiert, beinahe 9.000 Stücke sind bereits online einsehbar. Doch auch unabhängig von der Kartenüberlieferung stellen die digitalisierten Brandkataster, Güterverzeichnisse und Stockbücher wertvolle Quellen für zahlreiche historische und sozialwissenschaftliche Fragestellungen dar und sind nicht zuletzt für die Ortsforschung und die Genealogie unverzichtbar.
Sabine Fees / Francesco Roberg, Hessisches Landesarchiv

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