Mixed Pixels – Digitalisiertes Archivgut online

Zu Tisch!

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Menükarte eines königlichen Dinners auf Sandringham Castle, 1873 (HStAD, D 27 A, 60/31)
Menükarte eines königlichen Dinners auf Sandringham Castle, 1873 (HStAD, D 27 A, 60/31)

Die Mixed Pixels feiern ihren zweiten Geburtstag! Anlässlich des Jubiläums wird in diesem Jahr nicht nur eine Torte, sondern gleich ein ganzes Festmahl serviert, denn wir werfen einen Blick auf die zahlreichen digitalisierten Menükarten in den Beständen des Hessischen Landesarchivs.

Seit dem Mittelalter war es bei Hofe üblich, alle Gerichte eines Menüs gleichzeitig zu präsentieren, um die Gäste mit der Fülle der Speisen zu beeindrucken. Erst im 19. Jahrhundert, vor allem seit den 1870er Jahren, wurde in der gehobenen Gesellschaft der sogenannte russische Service etabliert, bei dem mehrere Gänge nacheinander serviert wurden. Im Zuge dessen wurden auch Menükarten erforderlich, um den Gästen einen Überblick über die Speisenreihenfolge zu geben.

Menükarte anlässlich der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich, 1871 (HStAD, R 4, 20369)
Menükarte des Festmahls anlässlich der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich, 1871 (HStAD, R 4, 20369)

Das bedeutendste politische Ereignis dieser Jahre war der Friedensschluss zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich, der im 10. Mai 1871 in Frankfurt am Main erfolgte. Zur Feier der Unterzeichnung des Friedensvertrags war natürlich auch der Frankfurter Oberbürgermeister Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein geladen, dessen Speisezettel des Festmahls erhalten geblieben ist (HStAD, Best. R 4 Nr. 20369). Kredenzt wurden erlesene Gerichte wie russischer Kaviar, Ochsengaumen mit Trüffeln, Hammelsattel mit neuen Bohnen und neapolitanischer Eispudding.
Im großherzoglich-hessischen Familienarchiv ist die Menükarte eines königlichen Dinners überliefert, das am 9. November 1873 auf Sandringham Castle, einem Landsitz der Windsors in der englischen Grafschaft Norfolk, stattfand (HStAD, Best. D 27 A Nr. 60/31). Das Blatt ist aufwändig mit farbigen Zeichnungen einer Jagdausrüstung, eines Jagdhundes und verschiedener Arten von Kleinwild geschmückt. Entsprechend dazu umfasst dann die Menüfolge auch viel Federwild wie Waldschnepfe, Auerhahn, Rebhuhnbrust und Fasanenpastete (siehe Bild oben).

Menükarte eines mehrgängigen Mahls am 20. August 1876
Menükarte eines mehrgängigen Mahls, an dem Ferdinand Frhr. von Nordeck zu Rabenau teilnahm. (HStAD, R 4, 25464)

An vielen hochherrschaftlichen Tafeln nahm auch Ferdinand Freiherr von Nordeck zur Rabenau als Kammerherr des Großherzogs von Hessen Platz. In seinem Nachlass findet sich beispielsweise die Karte eines Menüs, das er am 20. August 1876 einnahm (HStAD, Best. R 4 Nr. 25464). Wie auf vielen anderen Speisezetteln sind auch hier jeweils die den einzelnen Gängen zugeordneten Weine aufgeführt, darunter „Liebfrauenmilch“ (ein lieblicher Wein aus Rheinhessen) und „Türkenblut“ (ein kräftiger Rotwein).

Menükarte der Hochzeit von Hochzeit von Prinzessin Viktoria von Hessen mit Prinz Ludwig von Battenberg, 1884 (HStAD, O 8, 522)
Menükarte der Hochzeit von Hochzeit von Prinzessin Viktoria von Hessen mit Prinz Ludwig von Battenberg, 1884 (HStAD, O 8, 522)

Am 30. April 1884 war Ferdinand zur Hochzeit von Prinzessin Viktoria von Hessen mit Prinz Ludwig von Battenberg geladen, die Einladung enthält auch eine Menükarte der „Gala-Tafel“ (HStAD, Best. O 8 Nr. 522). Serviert wurden unter anderem Lachs à la d’Artois, Filetstreifen von der Poularde mit Trüffeln und Hirschschnitzel mit Champignonpüree, zum Abschluss des Festmahls gab es Aprikosenkuchen, Erdbeergelee und Eis.

Menükarte eines Renaissance-Fests im Darmstädter Schloss, 1906 (HStAD, D 27 A, 79/116)
Menükarte eines Renaissance-Fests im Darmstädter Schloss, 1906 (HStAD, D 27 A, 79/116)


Optische Highlights sind die großherzoglich-hessischen Menükarten vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Am 18. Januar 1906 wurde im Darmstädter Schloss ein Renaissance-Fest veranstaltet. Die Übersicht der Speisenfolge ist aufwändig verziert mit einer dem Anlass entsprechenden szenischen Darstellung, dem hessischen Löwen sowie den Monogrammen des Großherzogs Ernst Ludwig und seiner Frau Eleonore (HStAD, Best. D 27 A Nr. 79/116). Seit 1907 wurden die Speisekarten der großherzoglichen Tafel von der Ernst-Ludwig-Presse, der einzigen fürstlichen Privatpresse in Deutschland, mit Jugendstilmotiven geschmückt (HStAD, Best. R 4 Nr. 28714).

Menükarte im Jugendstil: Speisefolge der großherzoglichen Tafel in Darmstadt, 1908 (HStAD, R 4, 28714)
Menükarte im Jugendstil: Speisefolge der großherzoglichen Tafel in Darmstadt, 17. Dezember 1908 (HStAD, R 4, 28714)

Eine interessante Sammlung von zahlreichen Menükarten verschiedenster Veranstaltungen des 20. Jahrhunderts ist im Hausarchiv Schloss Vollrads erhalten geblieben (HHStAW, Best. 128/2 Nr. 2693). Am 28. Dezember 1935 fand auf Schloss Westerhaus, einem Hofgut der Familie Opel in Rheinhessen, eine nachweihnachtliche Feier unter dem Motto „Jägerfütterung und Tränke“ statt. Auf dem Speisenzettel in Blattform finden sich Gerichte wie Salm „aus dem Hegering der Loreley“, Rehrücken mit „Blattschuss-Gemüse“ und „Halali mit berauschenden Früchten“.

Jagdliche Menükarte, 1935
Die Gestaltung der Menükarte war ebenso kreativ wie die Benennung der einzelnen Speisen: Jagdliche Menükarte aus dem Jahr 1935 (HHStAW, 128/2, 2693)

Mit diesen reichhaltigen kulinarischen Inspirationen aus der hessischen Geschichte starten wir nun gestärkt in das nächste Mixed-Pixels Jahr. Mahlzeit!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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