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Archivgeschichte(n)

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Plan mit Ansicht des alten Staatsarchivs Wiesbaden in der Mainzer Straße (HHStAW, 3011/1, 2837 H)
Ansicht des alten Staatsarchivs Wiesbaden in der Mainzer Straße (HHStAW, 3011/1, 2837 H)

Die drei hessischen Staatsarchive, die seit 2018 das Hessische Landesarchiv bilden, blicken auf eine lange Geschichte zurück. Diese ist u.a. in Plänen und Fotografien dokumentiert, die einen Eindruck der Unterbringung des Archivguts in der Vergangenheit vermitteln. Die heutigen Standorte wurden nämlich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts bezogen und sind damit deutlich jünger als die Archive, die sie beherbergen.

Das Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden entwickelte sich aus dem seit 1816 für das Herzogtum Nassau zuständigen Zentralarchiv im Schloss Idstein, das nach der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 auch die Urkunden und Akten der nassauischen Filialarchive in Dillenburg und Weilburg sowie der Landgrafschaft Hessen-Homburg übernahm. Allerdings konnten die Räumlichkeiten im Schloss diesem Zuwachs nicht gerecht werden, so dass die preußische Archivverwaltung 1881 einen Archivneubau in der Mainzer Straße in Wiesbaden errichten ließ (siehe Bild oben). In der Kartenabteilung des Hauptstaatsarchivs sind Grundrisse überliefert, in denen die Magazinräume sowie die Dienstzimmer der Archivbeamten und des Archivdieners ausgewiesen sind (HHStAW, Best. 3011/1 Nr. 3318 H).

Plan des Staatsarchivs Wiesbaden in der Mainzer Straße, Erdgeschoss (HHStAW, 3011/1, 3318 H)
Plan des Staatsarchivs Wiesbaden in der Mainzer Straße, Erdgeschoss (HHStAW, 3011/1, 3318 H; linke Hälfte)

Anlässlich der Erweiterung des Archivs um einen Magazinbau in den Jahren 1908/09 wurden weitere Zeichnungen des Gebäudes und des Inventars angefertigt (HHStAW, Best. 3011/1 Nr. 2837 H). Mit der Übernahme des Schriftguts der NS- und Nachkriegszeit stießen die Magazine aber endgültig an ihre Grenzen. Zwischen 1981 und 1985 wurde daher der bis heute genutzte Neubau am Mosbacher Berg errichtet, das Gebäude in der Mainzer Straße wurde nach dem Umzug abgerissen.

Plan des Marburger Schlosses (HStAM, Architekturzeichnungen, 20945597)
Plan des Marburger Schlosses, erstellt für Umbaumaßnahmen zur künftigen Nutzung als Archivgebäude (HStAM, Architekturzeichnungen, 20945597)

Die Gründung des Staatsarchivs Marburg erfolgte – parallel zu den Entwicklungen in Wiesbaden – nach der Annexion des Kurfürstentums Hessen durch Preußen 1866. Die preußische Regierung vereinigte die Unterlagen der kurhessischen Archive zu Kassel, Marburg, Fulda und Hanau und überführte sie nach Marburg. Der Standort wurde mit Blick auf die Nähe zur Landesuniversität gewählt, außerdem wurden durch die Schließung der Strafanstalt Räumlichkeiten im Landgrafenschloss frei, in die das Staatsarchiv ab 1870 einzog. In den Marburger Architekturzeichnungen sind Entwürfe für entsprechende Umbauten des Schlosses erhalten (z.B. HStAM, Best. Architekturzeichnungen Nr. 20945597). Im Nachlass Ludwig Bickells, des Pioniers der hessischen Denkmalpflege, findet sich sogar die Konzeptzeichnung einer Eingangstür für das Staatsarchiv (HStAM, Best. 340 Bickell Nr. P II 104).

Entwurf für die Eingangstür des Königlichen Staatsarchivs auf dem Marburger Schloss von Ludwig Bickell (HStAM, 340 Bickell, P II 104)
Neogotischer Zierrat im Geschmack der Zeit: Entwurf für die Eingangstür des Königlichen Staatsarchivs auf dem Marburger Schloss von Ludwig Bickell (HStAM, 340 Bickell, P II 104)

Wie der Eingang tatsächlich aussah, zeigt eine Fotografie des Portals vom Anfang des 20. Jahrhunderts (HStAM, Best. Slg 7 Nr. b 1687).

Foto des Portals des Königlichen Staatsarchivs im Marburger Schloss (HStAM, Slg 7, b 1687)
Man beließ es dann doch bei dem alten Eingang: Portal des Königlichen Staatsarchivs im Marburger Schloss (HStAM, Slg 7, b 1687)

Zunehmende Raumnot und unzureichende Feuerschutzbedingungen im Landgrafenschloss machten jedoch bald einen Umzug notwendig, in den Jahren 1935 bis 1938 wurde daher das Archivzweckgebäude im Marburger Südviertel errichtet, das bis heute Sitz des Staatsarchivs Marburg ist.

Das Staatsarchiv Darmstadt geht auf die Registratur der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und das daraus erwachsene Hof- und Staatsarchiv des Großherzogtums Hessen zurück; beides war seit 1725 im Residenzschloss im Zentrum Darmstadts untergebracht. Eine Aufnahme von 1907 zeigt das damalige Interieur sowie das Direktorenzimmer mit dem Archivleiter Dr. Gustav Freiherr von Schenk zu Schweinsberg und weiteren Mitarbeitern (HStAD, Best. R 4 Nr. 1528).

Blick in einen Magazinraum des Staatsarchivs Darmstadt im Darmstädter Schloss, 1907 (HStAD, R 4, 1528)
Alte Truhen, hohe Regale und Galerien - der Magazinraum im Darmstädter Schloss hatte ziemlichen "Flair" (HStAD, R 4, 1528)

Seit der Ausrufung der Weimarer Republik und der Absetzung des Großherzogs Ernst Ludwig 1918 fungierte die Einrichtung als Staatsarchiv des neuen Volksstaates Hessen, ohne sich räumlich zu verändern. Ein Foto gewährt einen Blick in den Lesesaal im Jahr 1936 (HStAD, Best. R 4 Nr. 1555).

Lesesaal des Staatsarchivs Darmstadt im Darmstädter Schloss, 1936 (HStAD, R 4, 1555)
Modern wirkt hingegen der Lesesaal, 1936 (HStAD, R 4, 1555)

Weniger als zehn Jahre nach Entstehung dieses Bildes, im September 1944, wurde das Schloss bei der Bombardierung Darmstadts schwer getroffen. Das Archiv hatte erhebliche Überlieferungsverluste zu beklagen, die Schäden und Bergungsarbeiten wurden fotographisch dokumentiert (HStAD, Best. R 4 Nr. 1242/1-4).

Aufräumarbeiten in den Trümmern des durch Kriegseinwirkung schwer beschädigten Darmstädter Schlosses (HStAD, R 4, 1242-2)
Aufräumarbeiten in den Trümmern (HStAD, R 4, 1242-2)

Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder aufgebaut und beherbergte weiterhin das Staatsarchiv, bis dieses im Jahr 1993 in das zum „Haus der Geschichte“ umfunktionierte ehemalige Hof- und Landestheater umzog.

Noch viel mehr spannende Infos zur Geschichte des Hessischen Landesarchivs gibt es vor Ort in den Staatsarchiven oder jederzeit online!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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