Edles Vergnügen in Dillenburg

Gedruckte Darstellung eines Jagdordens

Abt. 3005.png

Kupferstich des Nasssau-Dillenburger Jagdordens
Kupferstich des Nasssau-Dillenburger Jagdordens

„Nassau-Dillenburgischer Orden du Noble Divertissment“ steht auf dem flatternden Band über einer repräsentativen Darstellung eines Wappen- und Ordensarrangements, das sich in mehreren Exemplaren von der Hand des P. Fehr im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden erhalten hat (u.a. Abt. 3005 Nr. 925, Abt. 130 II Nr. 3111). Die Darstellung zeigt unter einem Baldachin aus Hermelinstoff den Fürstenhut und das nassau-dillenburgische Wappen (Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Diez). Um das Wappen gelegt ist die Ordenskette des kurpfälzischen Hubertusordens mit dem Ordensstern. Darum schlingt sich das Band des nassau-dillenburgischen Jagdordens „du Noble Divertissement“. Auf dem Orden selbst ist mittig ein rennender Hirsch mit den Buchstaben „ND“ für Nassau-Dillenburg zu sehen. Der Ordensstern hängt wiederum an einem Fürstenhut. Er ist zusätzlich mit mehreren Jagdhörnern in verschiedenen Gestaltungsformen geziert. Damit entspricht diese Darstellung zumindest nicht ganz den in den Statuten und der dort beigegebenen Abbildung gemachten Vorgaben. Denn dort ist der beringte Fürstenhut nicht als Aufhänger vorgesehen. Der Historiker Jean Schoos vermutete daher, es könne sich bei der Darstellung um eine Sonderausführung für den Großmeister des Ordens handeln (Jean Schoos: Die Orden und Ehrenzeichen des Großherzogtums Luxemburg und des ehemaligen Herzogtums Nassau in Vergangenheit und Gegenwart, Luxemburg 1990, S. Tafel XXII).

Kupferstich des Nasssau-Dillenburger Jagdordens
Kupferstich des Nasssau-Dillenburger Jagdordens

Der Orden geht auf die Stiftung des Nassau-Dillenburgischen Jagdordens im Jahr 1697 zurück, der aber bald nach der Gründung nicht mehr aktiv gewesen war. Dieser wurde am 10. Januar 1712 von Fürst Wilhelm von Nassau-Dillenburg mittels der Statuten erneuert. Es handelte sich um einen Jagdorden, dem abgesehen von fürstlichen Mitgliedern mindestens zwölf Herren aus freiherrlichem oder adligem Stand angehören sollten. Auch Damen fürstlichen und gräflichen Standes konnten aufgenommen werden. Die Aufnahmegebühren wurden zugunsten eines in Dillenburg zu errichtenden Krankenhauses verwendet. Das Ordensfest fand – wie zu erwarten – am Hubertustag, also dem 3. November, statt. Hauptzweck aber sollte es sein, dass alle Ordensmitglieder gegeneinander die Treue hielten und ihre Ehre „bey allen Gelegenheiten / wo solches vonnöthen seyn wird“ gegenseitig verteidigten.

Kupferstich des Nasssau-Dillenburger Jagdordens (Ausschnitt)
Kupferstich des Nasssau-Dillenburger Jagdordens (Ausschnitt)

Der Orden wird in den Statuten wie folgt beschrieben (Königliches Hausarchiv Den Haag Inv. A 3 Nr. 1217): „Des Ordens-Zeichen betreffend / so hat solches zwar Anfangs nur in einem güldenen an einer Ketten hangenden Waldhorn bestanden / und ist uns unbewust / warumb Unsers in GOtt ruhenden Herrn Vattern Gn. solches eigentlich also ordoniret / da aber muthmaßlich / daß die Absicht nicht allein wegen der Jagt auff das bekante Devis: DUCIT ET EXITAT AGMEN [in zeitgenössischer Übersetzung „Munter auf und frischet an], sondern auch zugleich mit auff das im Orangischen und Unserm Hauß so nahe verknüpftten Wapen befindliche Horn abgezwecket; So haben Wir solches auch behalten und nur dahin verändern wollen / daß solches nunmehro in einem güldenen mit grün émaillirten achteckten Stern / der das Waldhorn allemahl zwischen zweyen Ecken und in dessen mitten einen auff einem weissen émaillirten Blätgen einen hirsch / auff der anderen Seiten aber die Wort: NOBLE DIVERTISSEMENT, als unter dessen deren Buchstaben den Nahmen von Unserm Hauß und Stifftung hat.“ Der Orden war mit grünem Band auf der linken Brustseite „an die Leib-Röck angehefftet“ zu tragen.

Bildlich ist der Orden auch auf einem Porträt der Fürstin Dorothea Johanna von Nassau-Dillenburg abgebildet. Die Forschung dazu ist allerdings noch nicht sehr weit gediehen. Das ist jetzt bequem möglich: Die Statuten und die entsprechende Sachakte im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden sind komplett online einsehbar.
Direktlink Statuten: HHStAW Abt. 3036 Nr. KHA Inv. A 3 Nr. 1217
Direktlink Sachakte: HHStAW Abt. 171 Nr. Z 1811
Rouven Pons, Hessisches Landesarchiv

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