Von mittelalterlichen Klöstern zu modernen Institutsgebäuden. Aus der Baugeschichte der Philipps-Universität Marburg

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Riss der ehemaligen Franziskanerkirche in Marburg
Entwurfszeichnung für den Umbau der ehemaligen Franziskanerkirche zu einer Ritterakademie mit Reithalle (HStAM Best. 5 Nr. 8233)

In den Jahren nach ihrer Gründung 1527 wurden der Marburger Universität drei Klostergebäude in der Stadt übergeben, in denen Hörsäle, die Bibliothek, aber auch Wohnräume für Professoren und Studenten untergebracht waren. Fast 300 Jahre dauerte es, bis die Universität weitere Gebäude erhielt – Altbauten aus dem Besitz des Deutschen Ordens und schließlich auch eigens für ihre Zwecke errichtete Neubauten. Nach 1866, als Kurhessen preußisch geworden war, setzte ein wahrer Bauboom ein.

In dem neu erschienenen Band der Schriftenreihe zur Universitätsgeschichte „Academia Marburgensis“ sind neun Beiträge zu ganz verschiedenen Gebäuden bzw. Themen aus der Baugeschichte der Universität versammelt. Nach einer Einleitung, die einen Überblick über die Baugeschichte der Universität gibt, stellt Ulrich Klein bauarchäologische Bemerkungen zu den mittelalterlichen Klostergebäuden vor, die der Universität 1527 bis 1533 übertragen wurden. Katharina Schaal, die zugleich Herausgeberin ist, behandelt die Geschichte des früheren Backhauses des Deutschen Ordens und heutigen Mineralogischen Museums sowie die Gründe für seine Erhaltung und Übergabe an die Universität, Carsten Lind geht auf den Umbau der Franziskanerkirche zur Reithalle ein und weist nach, dass hier um 1730 kein kompletter Neubau vorgenommen wurde. Christian Reichardt stellt die „Baugeschichte“ des Fachbereichs Chemie und aller seiner Vorgängerinstitute dar. Klein gibt einen umfangreichen Überblick über die Universitätsbauten im Marburger Norden, wo vor allem Kliniken errichtet wurden. Jutta Schuchard widmet sich den Baumeistern und Architekten der Universität bis um 1900. Ulrike Enke beschreibt die Bau- und Umbaugeschichte von Emil von Behrings sog. Schlossberglaboratorium. Schaal und Klein stellen gemeinsam die Entstehungs- und Architekturgeschichte des Physikalischen Instituts dar und Christoph Otterbeck beschreibt den Anteil Richard Hamanns an der Einrichtung eines Kunstmuseums in Marburg.
Katharina Schaal, Archiv der Philipps-Universität Marburg

Katharina Schaal (Hrsg.) Von mittelalterlichen Klöstern zu modernen Institutsgebäuden. Aus der Baugeschichte der Philipps-Universität Marburg (Academia Marburgensis 15), 278 S. mit zahlr., meist farbigen Abb., Münster 2019, ISBN-10: 3830939639; ISBN-13: 978-3830939634. 44,90 €