Auf der Suche nach den Vorfahren

Niederländisches Fernsehteam im Hessischen Staatsarchiv Marburg

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Dreharbeiten zur Serie "Verborgen Verleden" im Marburger Schloss
Dreharbeiten zur Serie "Verborgen Verleden" im Marburger Schloss

Familienforschung und Genealogie gehören zu den populären Forschungsfeldern der Nutzerinnen und Nutzer in Archiven. Kein Wunder, dass sich auch prominente Personen auf der Suche nach Spuren ihrer Vorfahren in die Archive begeben. Bisweilen werden sie dabei von Filmteams begleitet, die diese Spurensuche filmisch begleiten. So geschehen im Juli dieses Jahres im Staatsarchiv Marburg.

Die niederländische Produktionsfirma Blazhoffski stand schon seit dem Frühjahr in Kontakt mit dem Archiv, um für die von ihr produzierte Serie „Verborgen Verleden“ einen Teil einer Episode in Marburg vorzubereiten. Gesucht wurde nach Hinweisen von Vorfahren des niederländischen Journalisten und Historikers Geert Mak. Der Träger der Ehrendoktorwürde der Universität Münster stammt aus einer weitverzweigten Familie, die sich in Marburg bis in das 18. Jahrhundert bzw. das späte 17. Jahrhundert verfolgen lässt. Mak selbst wusste aus Familienerzählungen, dass im 18. Jahrhundert sein Vorfahre Godfried Karel Georg Christian Zirschkij aus Hessen und Marburg in niederländische Militärdienste ging, wo er sich auch dauerhaft niederließ.

Taufeintrag für Gottfried Carl Georg Christian Zyrschki
Taufeintrag für Gottfried Carl George Christian Zyrschki

Tatsächlich findet sich in den Kirchenbüchern der reformierten Garnisonsgemeinde in Marburg (HStAM Ki Nr. 106) am 3. September 1750 der Taufeintrag für Gottfried Carl George Christian als Sohn des Burggrafen Christian Friedrich Zyrschkis und seiner Frau. Allein die Tätigkeit von Christian Friedrich Zyrschki als Burggraf, der das Amt eines zivilen Verwalters des Schlosses Marburg versah, also ein frühneuzeitlicher Hausmeister mit Verwaltungsfunktion war, ist für Ahnenforscher ein Leckerbissen, da er über diese Beschäftigung vielfach in der archivalischen Überlieferung dokumentiert ist. Neben dem Bestallungsbrief (HStAM 5 Nr. 12253) hat sich eine Reihe von Dienstkorrespondenz erhalten, die von seiner täglichen Arbeit berichtet (HStAM 40 a Rubr. 04, z.B. Nr. 10988). Für Geert Mak war es erstaunlich zu sehen, dass sein Vorfahre offensichtlich ein geübter Schreiber war, also auch über einen gewissen Bildungsstand verfügte.

Dreharbeiten zur Serie "Verborgen Verleden" am Marburger Schloss

Faszinierend war, dass sich über die Briefe auch in gewisser Weise die Persönlichkeit Zyrschkis greifen ließ, was den meisten Familienforscher verwehrt bleibt. Ihnen gelingt es oft nur, den Beruf und die Lebensdaten eines Vorfahren zu ermitteln, aber das Leben der Person auch mit Inhalten zu füllen, ist eher selten und gelingt nur in Verbindung mit einer amtlichen Position der gesuchten Person. Folgerichtige Konsequenz in diesem Fall war dann die Fortsetzung der Dreharbeiten im Marburger Schloss, um der Arbeits- und Lebenswelt von Maks Vorfahren nachzuspüren. Auch wenn die eigentliche Dienstwohnung Zyrschkis durch Umbauarbeiten im 19. Jahrhundert verloren gegangen ist, war der Besuch an diesem prominenten Arbeitsplatz des Vorfahren ein gelungener Abschluss der einwöchigen filmischen Spurensuche für das Filmteam und Geert Mak. Eine ausführliche Version dieses Berichts erscheint in den nächsten Archivnachrichten.
Eva Bender, Marburg

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