Modetrends der vergangenen Jahrhunderte - ein alter Hut?

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Odenwälder Volkstracht
Odenwälder Volkstracht

Passend zur kommenden Ausstellung des Hessischen Landesarchivs „Lifestyle im Archiv- Hessische Kleidung aus sechs Jahrhunderten" fand eine pittoreske Darstellung hessischer Trachten ihren Weg in den Bild- und Fotobestand R 4 des Staatsarchivs Darmstadt.
Die kolorierte Aquatinta-Grafik zeigt ein junges Paar und einen älteren Mann, vermutlich den Vater der Frau, in der Odenwälder Tracht um 1820. Trachten entwickelten sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Aufhebung von Kleiderordnungen und der aufkommende Nationalismus nach der Französischen Revolution führten dazu, dass Kleidung regionale Eigenheiten und Besonderheiten entwickelte. Bis heute ist Hessen das Bundesland mit der größten Trachtenvielfalt und verfügt über einige der bundesweit ältesten Trachten wie der Schwälmer Tracht in Nordhessen.

Im Odenwald wurden Trachten ab ca. 1780 getragen. Die Abbildung „Odenwälder Volkstracht“, die unter R 4 Nr. 41743 UF zu finden ist, zeigt die typischen Merkmale dieser südhessischen Kleidungsform: Die Frau trägt einen für den Odenwald bezeichnenden langen Rock mit Schürze und eine Haube, die auf ihre Herkunft aus der Grafschaft Erbach schließen lässt. Der junge Mann zeigt sich modisch in langer Hose, während der ältere Mann eine traditionelle Kniebundhose mit Weste und Mantel trägt. Beide Männer verbindet die Wahl ihrer Kopfbedeckung, die sogenannte „Bauernschippe“. Dieser Hut löste im Laufe der Zeit den Odenwälder „Dreispitz“ ab.

Auf Hessentagen oder regionalen Volksfesten werden Trachten auch heute noch von Trachten- oder Tanzvereinen präsentiert. Wie sich die Kleidung der Hessen im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, lässt sich aber auch in Archiven anhand von Abbildungen und Fotos erforschen. Wer sich auf die Ausstellungseröffnung im Frühjahr 2021 einstimmen möchte, kann bereits online im Bild- und Fotobestand R 4 des Staatsarchivs Darmstadt z.B. unter den Signaturen R 4 Nr. 31111, Nr. 36550 oder Nr. 39310 einige interessante Abbildungen entdecken.
Karina Jaeger, Darmstadt

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