Opels Jagd

Forstamtsakte gibt Einblick in das Jagdvergnügen der Familie Opel

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Briefkopf der Firma Adam Opel
Briefkopf der Firma Adam Opel

Dass die Firma Opel in Rüsselsheim zunächst Nähmaschinen, dann Fahrräder herstellte, um schließlich zum Automobilbau übergehen, ist hinlänglich bekannt. Einen Einblick in das das privaten Jagdvergnügen der Familie Opel in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts geben aber zwei Aktenbände im Bestand des Forstamtes Kelsterbach (Best. G 58 Kelsterbach Nr. 45 und Nr. 144). Beide Bände enthalten umfangreiche Korrespondenz, weil die Brüder Carl (1869–1927) und Wilhelm (1871–1948) Teile der Gemeindewaldungen Walldorf als Jagdgebiete gepachtet hatten und deshalb in regem Austausch mit dem zuständigen Oberförster Schenk zu Schmittburg in Kelsterbach standen.

In zahlreichen eigenhändigen Schreiben geht es dort um die Verpachtung der Jagd, um Wildschäden und die Auseinandersetzungen mit den Einwohnern von Walldorf, die sich hin und wieder wenig kooperativ zeigten. Als Carl Opel einen Forstwart in das Jagdverpachtungsprotokoll eintragen lassen wollte, verweigerte sich die Gemeinde, weil der Kandidat zuvor einen „Kitzenmord“ der Walldorfer angezeigt hatte. Auch die Wegebauarbeiten fielen nicht immer nach dem Wunsch Opels aus. Ein Vicinalweg an der Aschaffenburger Straße war in einem dermaßen schlechten Zustand, dass Carl Opel schrieb: „Dieser Weg, der doch ein Vicinal-Weg ist, gereicht unserm stets an der Spitze marschirenden Hessenlande nicht zur Ehre. In dieser Wegstrecke befinden sich Löcher, in die man bequem einen Elefanten begraben kann.“

Schriftstücke aus der Forstamtsakte über die Jagd der Familie Opel
Schriftstücke aus der Forstamtsakte über die Jagd der Familie Opel

Insgesamt neigt Carl Opel zu amüsanten Darlegungen selbst in eher nüchternem Zusammenhang. Einen Brief an den Forstmeister über die Todesumstände eines Hirschs leitet er ein: „Rege Dich nicht über das auf, was zum Nachteil des Staates auf das Haupt geschlagen bekommt“, um anzumerken, dass dieser holprige Satz eine Übersetzung aus dem Lateinischen sei, die er als Terzianer vorgenommen habe. Der Forstmeister kam nicht umhin, anzumerken: „damals verließ ich die Schule?“ (28. Februar 1910).

Ergänzt durch Korrespondenz mit anderen Pächtern, darunter Kommerzienrat Merck aus Darmstadt, sowie verschiedenen Listen Walldorfer Einwohner, die ebenfalls in die Jagdbewirtschaftung involviert waren, kann die ungewöhnlich reichhaltige Überlieferung an Korrespondenz der Söhne des Firmengründers Adam Opel einen guten Einblick geben in die Verwaltung der Familienjagd.
Rouven Pons, Darmstadt

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