Pankratius-Pferdemarkt in Kassel

Archivische Quellen für Pferdefreunde

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Stallbursche mit Pferden beim Pfingsturnier in Wiesbaden, um 1960 (HHStAW Abt. 3008/47 Nr. 13640)
Das Foto ist zwar jüngeren Datums, aber ähnliche Bilder dürfte es auch beim Pankratius-Pferdemarkt gegeben haben: Stallbursche mit Pferden beim Pfingsturnier in Wiesbaden, um 1960 (HHStAW Abt. 3008/47 Nr. 13640)

Der Mai ist nicht nur der Wonnemonat, sondern auch der Monat mit den sogenannten Eisheiligen. Zu diesen gehören der römische Märtyrer Pankratius sowie Mamertus, Servatius, Bonifatius und Sophia, die im Volksmund sogenannte „kalte Sophie“.

Passend dazu ist in den Beständen des Staatsarchivs in Marburg eine Akte mit der Laufzeit von 1788 bis 1794 zu dem während des 18. Jahrhunderts alljährlich in Kassel abgehaltenen Pferdemarkt an Pankratius überliefert (HStAM Best. 40 a Rubr. 36, Nr. 980). Sie ist eine bedeutende Quelle zur hessischen Pferdegeschichte und spricht sicherlich nicht nur Pferdefreunde an.

Ausschnitt aus der Casselischen Polizey- und Commerzien-Zeitung
Ausschnitt aus der Casselischen Polizey- und Commerzien-Zeitung: Der Pankratius-Pferdemarkt steht an erster Stelle unter "Bekanntmachung von verschiedenen Sachem"

Ihr Aufbau ist gleichförmig: Nach der allgemeinen Festlegung des genauen Termins des Pankratius-Pferdemarktes, der nicht immer am 12. Mai stattfand, und der Bitte, dies auch in der Zeitung anzukündigen, folgt eine Aufstellung der Händler und der von ihnen angebotenen Pferdezahl sowie eine Liste der an diesem Markt verkauften Pferde. Wie aus der Abbildung aus dem Jahr 1790 ersichtlich, wurden nicht alle der 40 angebotenen Pferde verkauft, auch wurden zumeist nur ein oder zwei Pferde angeboten, selten von einem Händler mehrere. Auch wechselten nicht alle angebotenen Tiere den Besitzer. Von den 40 zu Verkauf stehenden Tieren wurden 1790 nur neun verkauft. Auch der Preis schwankte deutlich: Während mit dem Kauf eines Pferdes durch Levi aus Zierenberg für 51 Reichstaler das kostbarste Pferd veräußert wurde, war das Pferd, das Abraham Katz aus Wolfhagen für zwei Reichstaler erwarb, möglicherweis nur noch für einfache Arbeiten oder den Metzger gedacht. Auch wenn die Akte recht detailliert über die Verkäufer und Käufer Auskunft gibt, lassen sich außer über den Preis wenig Erkenntnisse gewinnen. Dennoch würde sich eine intensivere Auseinandersetzung mit der Akte auch unter wirtschaftshistorischen Aspekten lohnen.

Liste der Käufer auf dem Pankratius-Pferdemarkt 1790
Liste der Käufer auf dem Pankratius-Pferdemarkt des Jahres 1790, mit Angabe von Wohnort, Kaufpreis und Kauf von Pferd oder Fohlen

Denn offensichtlich wurden zumeist nur einzelne Pferde angeboten, die nicht in Konkurrenz zur landesherrlichen Pferdezucht etwa in Beberbeck oder dem 1737 gegründeten Kasseler Landgestüt standen. Die Verkäufer bleiben recht konstant über die Jahre. In den Aufstellungen finden sich wiederholt Namen der Verkäufer, die wiederum selbst Pferde kauften. Zudem kamen auch Pferdehändler nach Kassel, die nur Pferde ankauften wie in diesem Jahr Moses Isac aus Spangenberg, der zwei Pferde erwarb. Leider lässt sich nichts zu den Pferden sagen außer ihrem Preis und wer der Käufer aus welchem Ort war. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich um ein anderes Spektrum von Pferden handelte als die in den hessischen Zuchtbetrieben vorhandenen.
Gegen Ende der Akte wandelt sich der Pferdemarkt zu einem erweiterten Viehmarkt, da 1797 neben 70 Pferden 22 Ochsen und 22 Kühe zum Verkauf standen. Inwieweit der Pferdemarkt zu Pankratius in Kassel auch noch im 19. Jahrhundert weitergeführt wurde, darüber schweigt die vorliegende Akte. Sie zeigt aber, dass es noch viele Forschungsdesiderate gibt, die nicht nur den Hippologen ansprechen, sondern etwa auch Wirtschaftshistoriker oder möglicherweise Heiligenforscher: Warum dieser Markt traditionell an Pankratius gebunden war, ist weiterhin offen.
Eva Bender, Marburg

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