Podiumsdiskussion: Hans Karl Hofmeyer, Vorsitzender Richter im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess. Zur historischen Einordnung eines „Vorzeige-Juristen“ und der deutschen Richterschaft zwischen Diktatur und Demokratie

25. April 2019, 18.00 Uhr, Wiesbaden

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Hans Hofmeyer
Hans Hofmeyer

Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess galt bereits bei seiner Eröffnung 1963 als Meilenstein bei der Aufarbeitung des millionenfachen, industrialisierten Massenmordes des Nationalsozialismus. Die Rechtsstaatlichkeit dieses Verfahrens garantierte die Verhandlungsführung des Vorsitzenden Richters, Landgerichtsdirektor Hans Karl Hofmeyer. Im Auschwitz-Prozess bestätigte er eindrucksvoll seine Reputation als erfahrener Richter. In der jüngeren Vergangenheit wuchs Hofmeyers Ansehen als Richter im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess, je mehr dieses Verfahren als ein epochales Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte verortet wurde.

Dieses Bild hat aktuell deutliche Risse bekommen. Basierend auf den biographischen Forschungen des Doktoranden Matias Ristic ist die richterliche NS-Vergangenheit von Hofmeyer kürzlich in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. In einer frühen Phase seiner beruflichen Laufbahn war Hofmeyer an einem Erbgesundheitsgericht eingesetzt und mit für Zwangssterilisationen verantwortlich. Auch deuten Indizien auf eine Mitwirkung an der Militärgerichtsbarkeit in der Endphase des Zweiten Weltkriegs hin.

Aufgrund des starken öffentlichen Interesses an dieser „Schattenseite“ Hofmeyers hat das Hessische Landesarchiv kurzfristig eine Podiumsveranstaltung anberaumt. Sie soll zur Versachlichung der Diskussion und zu einer differenzierten historischen Einordnung von Hofmeyer sowie anderer Juristen beitragen. Nach ca. 10-minütigen Impulsvorträgen wird ein Podiumsgespräch eröffnet, in die sich anschließend auch das Publikum einbringen kann.
Wir freuen uns auf eine erkenntnisreiche Veranstaltung und heißen Sie am 25. April herzlich willkommen!

Programm
Matias Ristic, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Köln: Hans Hofmeyers wandelbare Selbstverständlichkeiten im Spiegel seiner Tätigkeit als Richter. Ein fragmentarisches Portrait

Elias Miorandi, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg, Dissertationsprojekt zu den NS-Erbgesundheitsgerichten in Hessen: Das Erbgesundheitsgerichtsverfahren und die Rolle der Vorsitzenden Richter

Prof. Dr. Nestler, Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Köln: Das System und die Verantwortlichkeit des Einzelnen

Dr. Georg D. Falk, Richter am hessischen Staatsgerichts und Autor zu Studien über den Wiederaufbau der hessischen Justiz nach 1945: Wie tadellos muss ein Richter sein? Zum Bild des deutschen Richters 1945 und heute

Dr. Tobias Freimüller, Stellvertretender Direktor des Fritz Bauer-Instituts Frankfurt am Main: „Vergangenheitsbewältigung" und Kontinuitäten nach 1945

Moderation: Prof. em. Dr. Dr.h.c. Joachim Rückert, Professor für Rechtsgeschichte Frankfurt am Main

Termin: 25. April 2019, 18 Uhr
Ort: Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden
Mosbacher Straße 55
65187 Wiesbaden
Einritt frei

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