Wie kommt ein Brief nach Kürnbach?

Probleme der großherzoglich-hessischen Landesverwaltung mit dem Postverkehr

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Akteneinband des Forstreviers Wimpfen
Akte des Forstreviers Wimpfen betreffend "Die Beförderung der Dienstschreiben und den Botenlohn"

Die Gemeinde Kürnbach hatte es im 19. Jahrhundert verwaltungstechnisch schwer. Etwa 20 km östlich von Bruchsal im Kraichgau gelegen, besaß seit 1567 Hessen-Darmstadt einen Anteil an der Gemeinde als ehemals katzenelnbogensche Besitzung. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Gemeinde daher von der hessischen Exklave Wimpfen am Neckar mit verwaltet. Gleichzeitig gehörten Gemeindeanteile aber auch Württemberg und Baden. Was wer genau besaß, blieb letztlich ungeklärt.

Aber damit nicht genug: Die Gemeinde lag bezüglich der Postverbindungen des 19. Jahrhunderts für die Landeshauptstadt Darmstadt ausgesprochen ungünstig, zumal auch die Anbindung nach Wimpfen nur mühsam war. Eine Landesverwaltung war damit kaum zu bewerkstelligen, wie der detaillierte Brief eines unbekannten Verfassers vom 1. Dezember 1853 verdeutlicht, der sich im Bestands Forstamt Wimpfen im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt erhalten hat (HStAD Best. G 38 Wimpfen Nr. 35).
„So lange noch eine tägliche Postverbindung zwischen Heilbronn über Wimpfen nach Heidelberg stattfand, wurden sämmtliche Dienstbriefe von Wimpfen nach Kürnbach in Sinsheim abgegeben, gingen von dort über Eppingen und kamen noch selbigen Tages in Bretten an, von wo sie jeden Mittwoch und Samstag vom Kürnbacher Amtsboten abgeholt wurden. Seitdem nun die Eisenbahn von Bruchsal über Bretten nach Bietigheim resp. Heilbronn eröffnet ist, fährt der Eilwagen von Heilbronn über Wimpfen nach Heidelberg nur 3 mal wöchentlich, nämlich Montags, Mittwochs und Freitags und umgekehrt von Heidelberg über Wimpfen nach Heilbronn ebenfalls nur 3 mal wöchentl. nämlich Dienstags, Donnerstags u. Samstags. Durch diese Einrichtung ist nun eine solche verspätete Abgabe der Wimpfener Dienstbriefe in Kürnbach eingetreten, daß solcher Briefe eine ganze Woche bis nach Kürnbach braucht, denn den Montag auf die Post gegeben, wird er erst in Kürnbach den Samstag anlangen, wie dies bei mir zu wiederholtem Male passiert ist u. wodurch mancherlei Unannehmlichkeiten entstanden sind. Meiner Ansicht nach läßt sich aber der Sache leicht abhelfen.

Es fährt nämlich jeden Morgen 9 Uhr ein Postwagen von Wimpfen nach Heilbronn im Anschluß an den Bahnzug, der 11 Uhr 50 Minuten von Heilbronn abgeht u. um 3 Uhr 35 Minuten in Bretten eintrifft. Von Bretten geht jeden Morgen um 12 Uhr ein Postomnibus über Flehingen nach Eppingen. Flehingen liegt nur 1 Stunde von Kürnbach. Würden nun die Dienst- und sonstigen Briefe nach Kürnbach von Bretten durch diesen Postomnibus bei Flehingen befördert, bei dem dortigen Postexpeditor abgegeben, so könnte der Amtsbote jeden Tag nicht allein die Briefe von Wimpfen nach Kürnbach sondern auch die von Darmstadt etc. nach diesem Ort abholen u. dorthin von Kürnbach bringen. Der Amtsbote machte also dann täglich 2 Wegstunden nämlich 1 Stunde nach Flehingen u. 1 nach Kürnbach zurück, während der jetzt wöchentlich 2 mal 3 Stunden von Kürnbach bis Bretten u. 2 mal 3 Stunden zurück machen muß.
Es entsteht nur die Frage, ob das Postamt in Bretten auf diese Einrichtung eingehen will und kann, dann ob die badische u. württemb. Post als nicht taxische Post u. die badische u. württemb. Eisenbahn als Staatseisenbahn durch Staatsverträge verbunden sind hessische Dienstbriefe gratis zu befördern. Indem ich Gr. Forstamt gebeten haben möchtge, diesen Gegenstand geeigneten Orts in Anregung zu bringen, bemerke ich noch daß auch das Gr. Rentamt zu Kürnbach wegen mancherlei Verzögerungen im brieflichen Verkehr sich bereits an die Gr. Oberforst- und Domänendirektion gewendet hat.“

Wie lange dieser Brief wohl gebraucht hat, bis er seinen Empfänger erreichte?
Rouven Pons, Darmstadt

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