Propaganda zur Rheinlandbesetzung

Zeitungen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg nun auch im Bibliotheks-OPAC

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Zeitung "L'Echo du Rhin"
"L'Echo du Rhin": Eine Zeitung für in Deutschland lebende bzw. dort stationierte Franzosen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Die Überlieferung französischer Zeitungen und separatistischer Publikationen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (1919–1924/25), als u.a. das Rheinland zwischen Worms und Bonn französisch besetzt war, ist in deutschen Bibliotheken überschaubar und oft sehr lückenhaft. Im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden jedoch hat sich im Bestand 405 Regierungspräsidium Wiesbaden eine Reihe dieser Publikationen fast lückenlos erhalten.
Vom französischen Pressedienst in Koblenz herausgegeben wurde das „Nachrichtenblatt“ (HHStAW Best. 405 Nr. 7248 und 7249). Der „Nachrichtendienst“ (HHStAW Best. 405 Nr. 7247) erschien in Düsseldorf. Beide waren in deutscher Sprache verfasst und richteten sich an die deutsche Bevölkerung. Sie sollten nach eigenem Verständnis der Aufklärung dienen; „herausgegeben zur rein sachlichen Berichtigung der Falsch- und Hetzmeldungen über das besetzte Gebiet“, heißt es explizit in einer von ihnen. Der Übergang von volksaufklärerischen Berichtigung zur bewussten Propaganda war aber auch hier fließend.

Viele Artikel – von politischen Darlegungen, Gegendarstellungen deutscher Meldungen bis hin zu Modetipps – sind massiv von der Absicht der „Volksaufklärung“ aus der Sicht der französischen Besatzer verfasst. Eine quellenkritische Sichtung der Meldungen, ihre Sprache und ihr Aufbau wird deshalb für die Erforschung der Rheinlandbesetzung von großem Interesse sein. Besonders markant ist im „Nachrichtenblatt“ die regelmäßig wiederkehrende Veröffentlichung von namentlich genannten deutschen Bürgern, die ihren Urlaub in Schweizer „Luxusorten“ verbrachten, nebst Berichten aus den Luxusorten. Zudem wurden auch Listen mit den aus dem Besatzungsgebiet ausgewiesenen Bürgern veröffentlicht, die sich den Anordnungen der französischen Besatzer widersetzt hatten. In diesen Fällen handelte es sich um persönliche Diffamierungen, die von der äußerst vergifteten Atmosphäre auf beiden Seiten Zeugnis ablegen.
Auf deutscher Seite sind einige Zeitungsnummern von separatistischen Bewegungen im Rheinland erhalten, so die „Rheinische Republik“, der „Rheinische Herold“, der „Rheinländer“ und der „Wächter am Rhein“, die allerdings nur sehr lückenhaft überliefert sind. Sie dokumentieren die profranzösische Haltung eines Teils der Bevölkerung im Rheinland.

Zeitung "Der Rheinländer"
Titelseite der Zeitung "Der Rheinländer" vom 16. September 1923

An die in Deutschland lebenden bzw. dort stationierten Franzosen richtete sich die im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden ebenfalls überlieferte Zeitung „L’Echo du Rhin“ (HHStAW Abt. 405 Nr. 7245 und 7246). Ein Abgleich der dortigen Meldungen mit den an die deutsche Bevölkerung gerichteten, kann sicherlich auch neue Perspektiven bei der adressatengerichteten Erforschung der Genese von Nachrichten bieten.
Da das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden mit einer fast lückenlosen Überlieferung dieser Periodika aufwarten kann, die Wissenschaft aber danach vermutlich zunächst über Bibliothekskataloge, nicht über einzelne Archivinformationssysteme der Länder suchen wird, wurden die Erschließungsdaten nun auch in den Bibliothekskatalog (OPAC) des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden und damit auch in den Verbundkatalog Hebis überführt. Davon unberührt sollte die Erforschung der Rheinlandbesetzung natürlich durch die Einsichtnahme in die einschlägigen Bestände – u.a. Best. 405 Regierungspräsidium Wiesbaden, Abt. 408 Polizeipräsidium (Polizeidirektion) Wiesbaden – abgerundet werden.

Zeitungen aus der Besatzungszeit:
Nachrichtenblatt
Nachrichtendienst
L'Echo du Rhin
Rheinische Republik
Rheinischer Herold
Der Rheinländer
Der Wächter am Rhein

Im OPAC können Sie nach den Zeitungen recherchieren: Direktlink
Roswitha Katterfeld, Wiesbaden

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