Wittenberger Reformatoren

Von Wittenberg nahm die Reformation 1517 ihren Ausgang. Das Hessische Hauptstaatsarchiv verwahrt Schreiben der beiden führenden Köpfe dieser Wittenberger Reformation: Martin Luther und Philipp Melanchthon.

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Lutherbrief
Brief von Martin Luther (HHStAW Abt. 153 Nr. 24)

Martin Luther (1483–1546)
Mit den Aktivitäten Martin Luthers beginnt die Reformation, die schließlich zur Spaltung in eine evangelische und eine katholische Konfession führte. Im Gegensatz zur Landgrafschaft Hessen unter Landgraf Philipp dem Großmütigen, die sich als eines der „Mutterländer“ der Reformation bezeichnen kann, gehörten die Nassauer Grafen nicht zu den maßgeblichen Akteuren dieser Epoche. Umso überraschender ist es dann doch, dass sich zwei eigenhändige Schreiben des Reformators in den Beständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs befinden.
Der lutherische Theologe Erhard Schnepf (1495–1558) hielt sich zwischen 1526 und 1527 in Weilburg auf, verließ es aber dann in Richtung der Universität Marburg, da ihm Graf Philipp III. von Nassau-Weilburg die finanzielle Unterstützung versagte. Die Zahl der lutherischen Pfarrer aber wuchs seither in der Grafschaft. 1533 wurde die „Nassau-Saarbrückische Kirchenordnung“ ausgearbeitet. 1536 erfolgte die erste Kirchenvisitation, so dass Nassau-Weilburg nun definitiv als lutherisch zu gelten hatte. Allerdings fehlten Pfarrer.
Graf Philipp wandte sich daher an Luther mit der Bitte, ihm einen Theologen zu empfehlen. Der Angeschriebene antwortete am 1. Juli 1538, er habe sich „umgesehen, das beste ich vermocht. Denn es auch hir bey uns mangelt, das wir aus den Dorffern müssen heben und Stedte besetzen.“ Doch empfahl er schließlich einen Mann „aus dem gottlosen Stifft zu Halle“, den er für das Amt eines Kaplans empfehlen könne: Johann Beyer.
Der Graf erklärte sich damit einverstanden und übersandte das Reisegeld. Luther erklärte deshalb in seinem zweiten Schreiben, an Himmelfahrt Mariä (15. August), dass Beyer sich sobald als möglich in Weilburg einfinden werde. „Gott der Allmechtig gebe yhm seinen heiligen Geist, das er viel Frucht schaffe ynn dem Evangelio zu vieler Leute Trost und Heil“.
Beyer sollte schließlich von 1537 bis 1541 in Weilburg tätig sein, bis auch ihn die Finanznot dazu drang, an anderer Stelle eine Betätigung zu finden. Er ging schließlich nach Usingen, wo bereits 1527 die erste lutherische Predigt gehalten worden war, und blieb dort bis zu seinem Tod 1568.
HHStAW Abt. 153 Nr. 24


Philipp Melanchthon (1497–1560)
Neben Luther ist Melanchthon sicherlich die bekannteste Persönlichkeit der deutschen Reformation. Er gilt auch als „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands), weil er ein besonderes Engagement im Bildungssektor entwickelte. Er hielt Vorlesungen an der Universität Wittenberg, deren Rektor er auch zeitweise war, verfasste Lehrbücher zur Rhetorik, Ethik, Geschichte, Geographie und Astrologie. Auch war er maßgeblich an der Gründung von Schulen beteiligt, visitierte diese und prüfte sie damit auf ihre Missstände hin.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass Graf Philipp von Nassau-Weilburg 1552 den Magister Vinzenz Chun zum Studium nach Wittenberg schickte und ihn Melanchthons Obhut anvertraute. Melanchthon schrieb daraufhin am Bartholomäustag 1552, also dem 24. August, aus Torgau an den Grafen zurück.
Kaiser Karl V. hatte gerade erst das Augsburger Interim von 1548 zurückgenommen, in welchem u.a. die alten katholischen Riten und Feiertage wieder eingeführt worden waren. Trotz ihres Widerstands hatten auch die Geistlichen in Nassau-Weilburg zum alten Glauben zurückkehren müssen. Kaum war das Interim allerdings gefallen, lebte die noch junge reformatorische Tradition in Nassau-Weilburg wieder auf.
Melanchthon nahm auf diese Wirren der Zeit indirekt Bezug. „Das in diesen Lebzeiten aber der Welt grossere Zerruttung sein werden, denn zuvor gewesen, das aber gleich wol der Son Gottes […] ein ewige Kirchen fur und fur samlen und erhalten wirt“, war ihm offenkundig.
Er lobte gegenüber Graf Philipp den Verstand und die rhetorischen Gaben des jungen Studenten Vinzenz Chun. Er bat den Grafen, für die Versorgung des jungen Mannes in Wittenberg zu sorgen. Melanchthon selbst werde dann auch auf den guten Fortgang seines Studiums achten.
HHStAW Abt. 150 Nr. 4050
 

Einleitung
Wittenberger Reformatoren
Lutherische Reformation in den nassauischen Grafschaften
Reformation in Genf
Calvinistische Reformation in Nassau-Dillenburg
Hohe Schule in Herborn
Calvinistische Netzwerke

Kapitelübersicht