Lutherische Reformation in den nassauischen Grafschaften

Die Reformation wurde in den nassauischen Grafschaften nur zögerlich und schleichend eingeführt.

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Goltwurm
Schreiben von Caspar Goltwurm (HHStAW Abt. 351 Nr. 456)

Laurentius Merskens
Laurentius Merskens war von Graf Wilhelm dem Reichen von Nassau-Dillenburg in Nassau als Pfarrer eingesetzt worden, damit er „Gottes wort treulich, rein und lauter“ predige. Allerdings hatte ihm und dem Pfarrer von Dausenau, nach dem Erlass des Augsburger Interims, der Kurfürst von Trier, der ebenfalls Hoheitsrechte über Nassau besaß, ein Religionsmandat zugesandt und ihn zur Rückkehr zum alten Glauben aufgefordert. „Solt ich“, schrieb nun der Pfarrer am 15. September 1548 an Graf Wilhelm, „nu ein andere Reformatio annemmen, dem Wort Gottes zugegen, dafur will mich unser lieber Gott behutten“. Er bat seinen Landesherrn dringlich, ihm mitzuteilen, wie er sich denn nun zu verhalten habe.
HHStAW Abt. 171 Nr. R 363

Heilmann Bruchhausen (†1540)
Am 1. April 1529 wurde Heilmann Bruchhausen aus Krombach bestallt, die Kapelle auf dem Schloss zu Dillenburg zu versehen. Bruchhausen hatte in Erfurt studiert, von wo aus die lutherischen Lehren verbreitet wurden. Der Pfarrer bestätigte diese Berufung mit der vorliegenden Urkunde, die er auch eigenhändig unterschrieb. Da ihm ein persönliches Siegel fehlte, ließ er das Schriftstück von Gerhard von Langenbach besiegeln. Damit war ein wichtiger Schritt zum Übertritt der Grafschaft Nassau-Dillenburg zum Protestantismus getan, auch wenn sich Graf Wilhelm eher ausweichend verhielt. Noch 1528 hatte er einen Heiligkreuzaltar für die Martinikirche in Siegen gestiftet. Und auch die Kirchenordnung von 1529 stand mit einem Fuß auf dem Boden des Luthertums, mit dem anderen im Katholizismus.
Problematisch wurde diese Entscheidung hin zur lutherischen Lehre deshalb, weil Graf Wilhelm in Verbindung mit seinem Bruder, Graf Heinrich III. von Nassau-Breda, einem Vertrauten Kaiser Karls V., recht günstige Karten besaß, den Katzenelnbogenschen Erbfolgestreit gegen Hessen für sich zu entscheiden. Die kaisertreue und katholische Haltung brachte den Nassauergrafen gegenüber dem protestantischen hessischen Landgrafen in Vorsprung. Mit der Entscheidung zur Reformation wurde das nun schwieriger. Graf Heinrich III. tadelte seinen Bruder deshalb auch dafür.
Doch Graf Wilhelm ließ sich nicht beirren. 1530 entließ er die verbliebenen katholischen Pfarrer zu Dillenburg und Siegen und ersetzte sie durch die Lutheraner Leonhard Wagner und Heilmann Bruchhausen. Allerdings brach er auch hier noch nicht ganz mit der Tradition: Denn dieser Schritt wurde ganz offiziell dem (katholischen) Offizial in Amöneburg gemeldet.
HHStAW Abt. 170 I Nr. 3392


Wolf Denthener genannt Evander
Aus der frühen Phase der Reformation in Wiesbaden sind keine Autographen der Reformatoren überliefert. Stellvertretend für diese Zeit soll hier die bekannte Abschrift einer Urkunde im Mannbuch des Grafen Philipp von Nassau-Wiesbaden-Idstein vom 1. Januar 1543 stehen. Darin ernennt der Graf den Magister Wolf Denthener als Pfarrer in Wiesbaden. Da der neue Geistliche jedoch zu sehr der evangelischen Lehre zuneigte, musste er bereits 1545 wieder die Wiesbadener Stelle verlassen. Er ging nach Friedberg. Weite Kreise der Bevölkerung waren zu diesem Zeitpunkt aber schon dem Luthertum zugeneigt. Als Denthener 1546 zu Besuch nach Wiesbaden kam, bereitete man ihm deshalb einen warmen Empfang.
HHStAW Abt. 121 Nr. 121


Caspar Goltwurm (1524–1559)
Goltwurm gilt als Begründer der evangelischen Kirche in Nassau-Weilburg. Als Superintendent führte er im ganzen Land Kirchen- und Schulvisitationen durch und war für die erste Kirchenordnung der Grafschaft Nassau-Weilburg verantwortlich. Damit bekam erst durch ihn das Kirchenwesen in der Grafschaft ein im ganzen Territorium verbindliches Gefüge.
Goltwurm stammte aus Sterzing (Tirol) und hatte ab 1539 bei Luther und Melanchthon in Wittenberg studiert. 1546 war er Hofprediger des Grafen Philipp III. von Nassau-Weilburg geworden, was aber zwei Jahre später durch das Augsburger Interim ein vorläufiges Ende fand.
Wieder zog es ihn anschließend nach Wittenberg, dann an die Universitäten von Leipzig und Jena. Nach Aufhebung des Interims kehrte er 1552 nach Nassau-Weilburg zurück und fungierte dort seither als Superintendent. Die enge Bindung zwischen dem Landesherrn und seinem Superintendenten geht auch aus einem undatierten Schreiben Goltwurms hervor: „E[uer] G[naden] wissen, das ein jeglicher in sollichem Ampt seiner Vocation von seiner ordenlichen Obrikheit soll vergewisset und beruffen sein, damit jeglichs Theil sich seines Beuelchs wisß und guttem getrosten Gewissen zu gebrauchen.“
HHStAW Abt. 166/167 Nr. 1561
HHStAW Abt. 351 Nr. 456
HHStAW Abt. 150 Nr. 3824
 

Einleitung
Wittenberger Reformatoren
Lutherische Reformation in den nassauischen Grafschaften
Reformation in Genf
Calvinistische Reformation in Nassau-Dillenburg
Hohe Schule in Herborn
Calvinistische Netzwerke

Kapitelübersicht