Reformation in Genf

Neben der aus Wittenberg ausgehenden Reformation war für die nassauischen Grafschaft die Reformation Calvins in Genf von großer Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wechselte die ottonische Linie des Hauses (Nassau-Dillenburg) von der lutherischen Lehre zu Calvinismus über.

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Beza
Lateinischer Brief von Théodore de Bèze (HHStAW Abt. 171 Nr. 1334 a)

Théodore de Bèze (1519–1605)
Der Genfer Theologe war zunächst Mitstreiter Calvins und galt nach dessen Tod als sein Nachfolger. Darüber hinaus kann er als geistiger Führer der französischen Hugenotten angesehen werden. Seine doktrinär-calvinistische Haltung ließ ihn in ganz Europa Verbündete suchen, die seiner religiösen Überzeugung zum Sieg verhelfen könnte. Schon früh geriet deshalb auch Wilhelm von Nassau-Oranien in den Blick. Der Anführer der niederländischen Aufständischen war Bèze (Beza) allerdings zu unorthodox und versöhnlich. Er war im Sinne der calvinistischen Sache auf ihn angewiesen, misstraute ihm aber auch. Ebenso baute er auf die calvinistischen Wetterauer Grafen, insbesondere natürlich auf die Grafen von Nassau in Dillenburg.
Einige Grafensöhne wurden in Genf bei Beza ausgebildet. Mit dem Gelehrten Piscator an der Hohen Schule Herborn stand Beza in Kontakt. Hier zu sehen ist ein in lateinischer Sprache abgefasstes Dankschreiben an Piscator. Auf einem Begleitblatt werden theologische Notizen über das Vertrauen, das in Gott zu setzen ist, gemacht. Diese Notizen in französischer, deutscher und lateinischer Sprache gipfeln in den Sätzen: „Der heylig Job sagte: Herr wan du mich schon todest, so will ich doch uff dich hoffen.“ (Hiob 13,15)
HHStAW Abt. 171 Nr. R 1334 a
HHStAW Abt. R 98 I
 

Einleitung
Wittenberger Reformatoren
Lutherische Reformation in den nassauischen Grafschaften
Reformation in Genf
Calvinistische Reformation in Nassau-Dillenburg
Hohe Schule in Herborn
Calvinistische Netzwerke

Kapitelübersicht