Reformatorenbriefe aus den Beständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs

Begleittexte zur Ausstellung "Sola Scriptura"

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Die nassauischen Grafschaften gehörten nicht zu den „Mutterländern“ der Reformation. Trotzdem befinden sich in den Beständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs, das dessen schriftliches Erbe aufbewahrt, zahlreiche Reformatorenbriefe. Bestimmend blieb im Protestantismus über alle Unterschiede hinweg die Fokussierung auf das Wort und damit auch auf die schriftlich fixierte Sprache. Die große Anzahl von theologischen Schriftzeugnissen aus der Frühphase der Reformation in den Archiven ist daher nicht verwunderlich. In ihnen wurde um die Auslegung der Bibel und die Ausformulierung der Glaubensgrundsätze gerungen und gestritten, und nicht selten kam es auf diesem Weg zu Zerwürfnissen.
Kapitelübersicht

„Sola Scriptura“ – „nur die (Heilige) Schrift“ – bildete – neben den Losungen „nur der Glaube“, „nur die Gnade“ und „nur Christus“ – einen der theologischen Grundsätze der Reformation. Wie auch die anderen genannten geht sie auf Luther selbst zurück, bedurfte aber wiederum selbst über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg ihrer Deutungen und Auslegungen.
Das Hessische Hauptstaatsarchiv greift die Doppeldeutigkeit der Losung – „nur die Heilige Schrift“ bzw. „nur Schrift“ – auf, um eigenhändige Aufzeichnungen europäischer Reformatoren zu präsentieren. Ausgehend von Luther und Melanchthon werden in der kleinen Ausstellung zum Reformationsjahr bekanntere und weniger bekannte Reformatoren vorgestellt, sowohl regional verortete als auch international tätige. Ein besonderer Schwerpunkt liegt allerdings auf dem calvinistischen Netzwerk in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, das in der Grafschaft Nassau-Dillenburg bzw. der Hohen Schule Herborn einen Nukleus von besonderer Ausstrahlungskraft besaß.