Reise auf den Frankenstein

Ein Ausflug im Jahr 1834

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Historische Postkarte der Burg Frankenstein
Historische Postkarte der Burg Frankenstein

Auch in Hessen gibt es viele schöne Ausflugsziele. Das wusste schon der junge Emil Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der 1824 in Darmstadt geboren wurde und in seiner Kindheit und Jugend etliche gemeinsame Unternehmungen und Ausflüge mit den großherzoglichen Prinzen unternahm. 1840 wurde er Sekondeleutnant im Garderegiment Chevauxlegers. Für seine Dienste erhielt er kurz vor seiner Ernennung zum Major 1845 das Ritterkreuz 1. Klasse des Ludewigsordens. Das Staatsarchiv Darmstadt konnte jüngst ein Schul- und Aufsatzheft übernehmen, in dem der Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg einen Ausflug zum Frankenstein von 1834 beschreibt (HStAD Bestand R 12 P Nr. 8108).

Aufsatz von Emil Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg über seinen Ausflug zum Frankenstein
Aufsatz des zehnjährigen Emil Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg über seinen Ausflug zum Frankenstein, 1834

„Punkt sieben Uhr stand der Wagen bereit“, der die kleine Reisegruppe nach Darmstadt-Eberstadt brachte, von wo aus es zu Fuß Richtung Burg Frankenstein ging. Als der junge Prinz den Gipfel erreichte, wurde er mit der spektakulären Aussicht über die Rheinebene belohnt. Auch heute noch zieht der weite Ausblick von der Burg Frankenstein Wanderer und Besucher in seinen Bann.

Emil Prinz von Sayn-Wittgenstein-Berleburg als erwachsener Mann
Emil Prinz von Sayn-Wittgenstein-Berleburg als erwachsener Mann

Um sich anschließend von der ersten Etappe der Wanderung zu erholen, kehrte die Gruppe in die Wohnung des damaligen Revierförsters ein. Dieser schien wenig begeistert von seinem Besuch, da er lautstark über die lärmenden Kinder schimpfte. Andererseits deutet aber auch die kindlich-naive Beschreibung des Revierförsters nicht darauf hin, dass Emil Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg von seinem Gastgeber sonderlich angetan war. Der junge Prinz schreibt: „Der Hausherr war dicker wie Eglon [= König der Moabiter aus dem Alten Testament, dessen Namen (deutsch: Kälbchen) als Hinweis auf seine Fettleibigkeit gedeutet werden kann], [er hatte] einen doppelten Bart mit einem […] verschrumpften und mürrischen Gesicht und stand ganz unter dem Pantoffel [seiner Frau]“.

Historische Ansicht der Burg Frankenstein
Historische Ansicht der Burg Frankenstein

Nach dieser – für den Leser recht unterhaltsamen - Unterbrechung der Wanderung besichtigte die Gruppe die Burgruine Frankenstein. Möglicherweise war auch schon Prinz Emil zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg fasziniert von den Spuren der Mythen und Sagen rund um Drachen und Hexen, die sich bis heute in und um die Burg entdecken lassen. Müde und mit schlammigen Stiefeln trat die Wandergruppe nach diesem abenteuerlichen Ausflug die Heimreise an.

Falls Sie sich von diesem oder anderen historischen Reiseberichten schonmal für Ausflüge nach der Corona-Pandemie inspirieren lassen möchten, schauen Sie doch einmal in unser Online-Archivinformationssystem Arcinsys: arcinsys.hessen.de.
Karina Jaeger, Darmstadt

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