Runder Geburtstag besonderer Art

Älteste Urkunde ist 1150 Jahre alt

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HStAD A 2 Nr. 55/1
Ausgestellt am 8. Juli 867: Die älteste Urkunde des Staatsarchivs Darmstadt (HStAD A 2 Nr. 55/1)

Gerade in unserer schnelllebigen Alltagswelt, in der ein Jahr um einiges weniger als 365 Tage zu haben scheint, ist der Zeitraum von mehr als einem Jahrtausend kognitiv kaum zu er­messen. (Be-)greifbar wird die fernab liegende Vergangenheit aber – zumindest im Ansatz – durch historische Objekte wie die am 8. Juli 867 in Frankfurt a. M. ausgestellte Urkunde König Ludwigs II., genannt der Deutsche. Als echte Zimelie, deren Ausfertigung sich in diesen Tagen zum 1150. Mal jährt, handelt es sich zugleich um das älteste Originaldiplom (HStAD, A 2 Nr. 55/1) innerhalb des rund 44.000 Exemplare umfassenden Urkundenbe­standes des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt. Die von der Forschung mehrfach edierte und regestierte Königsurkunde hat jedoch auch im weltweiten Maßstab als Rarität zu gelten. Schließlich sind von der heute ohnehin auf nur unter 200 Exemplare zu beziffernden Über­lieferung an Urkunden Ludwigs II. lediglich 90 als Originaldiplome erhalten.

Dem Inhalt nach werden mit der im wahrsten Sinne des Wortes auf eine ganze Kuhhaut (Pergament) geschriebenen Urkunde dem 847 gegründeten Stift St. Cyriacus in Neuhausen bei Worms Grundbesitz in den Gemarkungen Albisheim, Flörsheim, Mauchenheim und am Donnersberg sowie insgesamt 13 namentlich genannte Hörige übereignet. Äußerlich zeigt das rund einen halben Meter große (45,7 x 46,5 cm) – ursprünglich gefaltete – Schriftstück die für das Früh­mittelalter typischen Urkundenmerkmale eines Königsprivilegs. So befindet sich unterhalb des rechtserheblichen Urkundenteils die Signumzeile mit dem mittig darin platzierten Herrschermonogramm. Dieses ist gleichzeitig das einzige Element der Urkunde, an dem der König persönlich mitwirkte. Indem er den Vollziehungsstrich (hier: der ungleichmäßig ausgeführte Querbalken des „H“ innerhalb des Monogramms) selbst ausführte, bestätigte König Ludwig II. die Rechtmäßigkeit des Urkundeninhalts. Die zusätzliche Beglaubigung erfolgte mit dem durchgedrückten Wachssiegel (oval, 45 x 40 mm) des Herrschers. Verwendet wurde eine in Steinschnitt hergestellte antike Gemme, die nicht etwa das Abbild König Ludwigs, sondern die Büste des römischen Kaisers Hadrian im Profil nach heraldisch rechts gewendet mit der Umschrift + XPE PROTEGE HLVDOICVM REGEM (+ Christus, schütze König Ludwig) zeigt. Dabei galt das Siegel, das wohl als Beute aus dem Schatz Ludwigs des Frommen stammt, offenbar „als ein besonders hochgehaltenes Erbstück des karolingischen Hausschatzes“ (MGH).

Die ganze Urkunde und einige Detailaufnahmen können Sie als Digitalisate in der Archivdatenbank Arcinsys einsehen:
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