Ein Highlight in Hirschhorn

Die Einrichtung der Langbeinschen Sammlung auf dem Schloss in Hirschhorn

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Raum 2 im heutigen Museum Hirschhorn
Raum 2 im heutigen Museum Hirschhorn

Eine besondere Sehenswürdigkeit in Hirschhorn am Neckar ist das „Langbein Museum“, das auf den Gastwirt und Sammler Carl Langbein (1816–1881) zurückgeht. Auf dem aktuellen Museums-Flyer heißt es: „Seine immense Neugierde auf die Welt lebte er aus, indem er alles erforschte, dessen er habhaft werden konnte, in seiner eigenen Welt fasziniert von Religion und Wissenschaft ebenso wie von der Kunst, in der er sich ebenfalls ausprobierte. So schuf er seinen eigenen Kosmos in Hirschhorn.“

Diese ganz besondere Sammlung wird heute im Langbein Museum Hirschhorn (Alleeweg 2) in einer sehr ansprechenden Form präsentiert. Eine ältere Aufstellungsform ist durch eine Akte im Staatsarchiv Darmstadt dokumentiert. Die Schwester des Sammlers, Ida Langbein, hatte die Sammlung 1903 dem Großherzoglichen Haus- und Familieneigentum vermacht (HSAD Best. G 38 Hirschhorn Nr. 408), damit sie auf dem Schloss in Hirschhorn allgemein zugänglich untergebracht werde. Bis dahin war sie im Gasthof ihres Bruders „Zum Naturalisten“ untergebracht, in dem 1878 auch Mark Twain übernachtet hatte.

Um die Sammlung im Schloss in Hirschhorn unterzubringen, hatte das Finanzministerium, nach der grundsätzlichen Zustimmung des Großherzogs, die Schenkung anzunehmen, dort Räumlichkeiten instand zu setzen. Interimistisch wurde dem neuen Hotelier im „Naturalisten“ Miete bezahlt, damit sie bis dahin vor Ort belassen werden konnte.

Korrespondenz zwischen Oberforstrat Seyd und der Möbelfabrik Glückert (HStAD Best. G 38 Hirschhorn Nr. 408)
Korrespondenz zwischen Oberforstrat Seyd und der Möbelfabrik Glückert (HStAD Best. G 38 Hirschhorn Nr. 408)

Wie dem Schriftwechsel mit der Oberförsterei zu entnehmen ist, war 1908 die Hofmöbelfabrik Glückert in Darmstadt mit der Ausstattung der Räume auf dem Schloss in Hirschhorn betraut. Sie lieferte Pulttische und einen Glasschrank. Weitere Vitrinen stelle die Firma Damm 1912 her.

Entwurf einer Vitrine für die Vogelsammlung von Carl Langbein (HStAD Best. G 38 Hirschhorn Nr. 408)
Entwurf einer Vitrine für die Vogelsammlung von Carl Langbein (HStAD Best. G 38 Hirschhorn Nr. 408)

Die Eröffnung der Sammlung erfolgte am 27. September 1908 unter Anwesenheit des Oberforstrats Seyd, des Museumskustos Prof. Dr. Müller, des Pfarrers und Landeshistorikers Dr. Diehl aus Darmstadt sowie lokalen Honoratioren. Leider erfahren wir aus der Akte wenig über die Aufstellung und die Resonanz. Schwämerisch zeigte sich aber Pfarrer Diehl der „Darmstädter Tägliche Anzeige“ vom 29. September 1908: „Mir aber schwebte während der Heimfahrt der Gedanke stets im Senn: wie etwas Großes ist es um die Kunde der Heimat. Heil den Männern und Frauen, die sich im Blick auf alle darum bemühen, Heil dem Volke, dessen Regierungen Verständnis haben für die Erziehungsmächte, die in der Geschichte gebunden liegen und der Erlösung harren.“

Raum 3 im heutigen Museum Hirschhorn
Raum 3 im heutigen Museum Hirschhorn

An einen regulären Besichtigungsbetrieb wurde gedacht, so dass die Oberförsterei im Auftrag des Finanzministeriums mit Frau Forstwart Charlotte Vollhardt einen Vertrag schloss, der regelmäßige Führungen zum Preis von 30 Pfennigen pro Person umfasste. Für Schulen wurde die Gebühr auf 10 Pfennige pro Person reduziert. Das Mitführen von Hunden, Stöcken, Schirmen und brennenden Zigarren war nicht gestattet. Die Katalogisierung der Sammlung aber machte Schwierigkeiten, weil in Hirschhorn oder Umgebung niemand zu finden war, der sich dieser wissenschaftlichen Aufgabe hätte annehmen können. Aber die Sammlung war gerettet und das Andenken Carl Langbeins gewahrt – bis heute: www.museum-hirschorn.de
Rouven Pons, Darmstadt

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