Schülerguides führen durch die Ausstellung „Lifestyle im Archiv“

Für alle ein Gewinn!

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Ein Schülerguide bei der Führung durch die Ausstellung "Lifestyle im Archiv"
Ein Schülerguide bei der Führung durch die Ausstellung "Lifestyle im Archiv" im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

In Wiesbaden präsentieren die neuen Schülerguides aus der E-Phase des Gymnasiums am Mosbacher Berg seit Juli 2022 das Hauptstaatsarchiv als spannenden Ort für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrkräfte und weitere Interessierte. Zuvor haben sich die sechs Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse intensiv mit dem Thema der Wanderausstellung „Lifestyle im Archiv - Hessische Kleidung aus sechs Jahrhunderten“ beschäftigt, die seit Mai im Foyer des Archivs gezeigt wird. Dieses Thema fanden Klara A., Lukas G., Tobias K., Luca L., Lars P. und Stefanie R. nicht nur im Hinblick auf die heutige Rolle von Mode in den Social Media oder die „fast fashion“ spannend. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von ihrer Geschichtslehrerin Frau Treu. Eine Motivation der zwei Schülerinnen und vier Schüler speiste sich aus der Frage, ob sich etwas über die Funktion von Kleidung bzw. Kleidungsstücken mit Blick auf die vorangegangenen Jahrhunderte herausfinden lässt. In Absprache mit der Schulleiterin Frau Manig und der Archivleiterin Frau Dr. Wurthmann sowie Frau Dr. Rödel wurden die Schülerinnen und Schüler zusammen mit Frau Treu ins Archiv eingeladen.

Schülerguides zum ersten Mal am Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Die inhaltliche Ausbildung der Schülerguides verlief in mehreren Sitzungen ab. In der ersten Workshop-Sitzung stellte Herr Dr. Lehnhardt den Schülerinnen und Schülern ein Beispiel für einen Gang durch die Ausstellung vor, da er selbst Führungen für Erwachsene durch diese Wanderausstellung anbietet und zuvor bereits beruflich mehrfach Rundgänge plante. Dr. Lehnhardt war damit der erste Experte, dem die Jugendlichen Fragen für den eigenen Aufbau einer Führung stellen und von dem sie weitere Tipps erhalten konnten. Auf diesen Workshop und den ersten Ideen der Schülerinnen und Schüler folgte der zweite Workshop mit dem Archivpädagogen Herrn Dr. Strohmenger. Die weitere Vertiefung der Schülerführungen stand fortan im Zentrum und wurde mit pädagogischen Materialien unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur ihre „Lieblingsstücke“ in der Ausstellung finden, sondern auch den anderen Beteiligten diese vorstellen und begründen, warum gerade diese Dokumente oder Themenbereiche ihr Interesse geweckt haben. Der Archivpädagoge freut sich, dass der Einsatz von Schülerguides zum ersten Mal am Standort des Hauptstaatsarchivs Wiesbaden durchgeführt werden konnte. Gerade nach der pandemiebedingten Zeit mit Lockdowns und Homeschooling war dies nicht selbstverständlich. Zumal solche Projekte organisatorisch die Bereiche Schule und Archiv umfasse und die jeweiligen Hygienebestimmungen aufeinander abgestimmt werden müssen.

Wespentaille – Korsett gegen Napoleon – Wert von Nylonstrümpfen

Jede Schülergruppe wählte eigene Schwerpunkte beim Gang durch die Ausstellung aus. Die Gesamtdarstellung durch die Jahrhunderte wurde dabei nicht außer Acht gelassen. Allgemein kann man etwas über Uniformen und Staatlichkeit, die Wespentaille um 1798 oder der illegalen Einfuhr von Nylonstrümpfen im Wert von 7 Mio. DM im Jahr 1950 erfahren. Ebenso zeigt ein gedruckter „Zuruf“ von 1815 die Stimmungsmache gegen das Korsett und gegen Napoleon auf, auch wenn damals bereits bekannt war, dass das Korsett mit dem Korsen gar nichts zu tun habe. Zudem befragten die Schülerguides Frau Leßmöllmann, die für die Ausstellung ein Sommerkleid „einer Dame um das Jahr 1866“ anfertigte. Diese historischen Themen seien „mal etwas anderes“. So soll eine Einführung in die Ausstellung gegeben werden, die weiteres Interesse wecken will. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Aspekt: Schüler führen Schüler.

Schülerguides: Für alle ein Gewinn & „Bonus“ zur Ausstellung

Die Schülerguides berichteten bereits, dass die bisher gemachten Erfahrungen von den Workshops bis zu den ersten Führungen ein persönlicher Gewinn für sie darstellt. Aufgeregtheit und Lampenfieber gehören natürlich dazu. Frei zu sprechen und das vor einer fremden Schulklasse oder sogar einer fremden Gruppe von Erwachsenen ist eine Herausforderung. Sie hätten aber bereits gelernt damit umzugehen, etwa auf das Gesprächstempo zu achten, den „richtigen“ Standort anzusteuern usw. Dieser Erwerb von „Soft-Skills“ und das „ganz nebenbei“, sei für sie nicht nur im Hinblick auf die Präsentations- und Mündlichen Prüfungen im Abitur relevant, sondern auch sofort im Alltag – nicht nur in der Schule – gewinnbringend einsetzbar.
Die Schülerguides stehen bereit. Bis zum 23. September kann dieser „Bonus“ einer Schülerführung kostenlos von allen Interessenten gebucht werden. Um frühzeitige Anmeldung wird gebeten, entweder per Email oder per Telefon an das Hauptstaatsarchiv, damit die Termine mit den neuen Stundenplänen der Schülerinnen und Schüler ab September abgestimmt werden können. Bei der Finissage am 23. September 2022 werden die Schülerguides ebenfalls anwesend sein. Dies ist gewissermaßen die letzte Gelegenheit, die Ausstellung auch aus der Sicht von Jugendlichen zu erfahren.

Kontakt:
Telefon: 0611/881-0
E-Mail: wiesbaden@hla.hessen.de
Dirk Strohmenger, Archivpädagoge am Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

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