Siegelreinigung und -neuverpackung im Staatsarchiv Marburg

Projekt „Trockenreinigung, Innenverpackung und Kartonierung der Siegelsammlung" des Hessischen Staatsarchivs Marburg

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Siegel vor der Reinigung und Neuverpackung
Siegel vor der Reinigung und Neuverpackung

Seit Juni 2021 läuft das von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes (KEK) finanzierte Projekt „Trockenreinigung, Innenverpackung und Kartonierung der Siegelsammlung des Hessischen Staatsarchivs Marburg“. Der langfristige Schutz unikalen Kulturgutes soll durch die Förderung der KEK sichergestellt werden. Das Marburger Siegelprojekt zeigt eindrücklich, wie durch verbesserte Lagerungsbedingungen und die Reinigung sowohl eine direkte Verbesserung der Nutzbarkeit als auch die langfristige Erhaltung durch Schutz des Originals erzielt werden.

Siegelreinigung mit einem Weichpartikel-Feinstrahlgerät in der Sicherheitswerkbank
Siegelreinigung mit einem Weichpartikel-Feinstrahlgerät in der Sicherheitswerkbank

Die insgesamt rund 5600 Siegel, die bislang in Pappverpackungen in Schubladen gelagert wurden, werden in der Sicherheitswerkbank bearbeitet. Sie werden mit einem Weichpartikel-Feinstrahlgerät mit Weizenstärke oder Zellulose bestrahlt – und die Ergebnisse sind verblüffend: Innerhalb weniger Sekunden wird aus schmutzigem Braun ein leuchtendes Rot, werden Details im Siegelbild sichtbar. Zurückgebliebene Reste des Strahlmittels werden mit Druckluft entfernt.
Nach der Reinigung erfolgt die Verpackung in kleine Klappkassetten, auf Vlies gebettet, um die z.T. in Holzkapseln aufbewahrten Siegel vor dem Verrutschen zu schützen. Das Vlies sorgt auch dafür, dass die Wachssiegel nicht mit den Pappschachteln in Kontakt kommen, deren Material den Siegeln Fett entziehen und sie spröde werden lassen würde. Nachdem das Siegel mit einem zweiten Vlies zugedeckt wurde, wird das Kästchen mit einem locker geknüllten Blatt Seidenpapier ausgepolstert, damit nichts verrutschen kann.

Verpackung der Siegel in Klappkassetten
Gut verpackt: Die Siegel werden einzeln in Klappkassetten gebettet.

Die alten Signaturen, die auf dem beigelegten Zettel notiert sind, sind in einer Excel-Tabelle gelistet. Dort wird überprüft, ob das Siegel einer bestimmten Signatur auf die zugehörige Beschreibung der Tabelle passen könnte. Ist das der Fall, wird eine neue Signatur hinzugefügt, die sich aus der Reihenfolge der Siegelbearbeitung ergibt. Einige der Siegel haben zusätzlich zu ihrer alten Signatur noch weitere Nummern, die ebenfalls in der Tabelle eingetragen werden. Dazu wird auch noch erfasst, in welchem der Schubkästen sich das Siegel befunden hat.

Neu verpackte Siegel
Gut geordnet: Die nach Signaturen sortierten Klappkassetten.


Die Klappkassetten werden mit der neuen Signatur beschriftet. Der ursprünglich beigelegte Zettel mit wichtigen Angaben zum Besitzer des Siegels (Kaiser, Könige, Städte, Zünfte, Geistliche) und eine Jahreszahl zur genaueren Datierung wird vom Staub befreit und mit verpackt. Gegebenenfalls muss auch ein „Warnhinweis“ auf der Klappkassette angebracht werden, falls das Siegel aus vielen sehr kleinen Bruchstücken besteht, die beim Öffnen der Kassette herausfallen und verlorengehen könnten. In größere Außenverpackungen einsortiert, sind die Siegel in Zukunft optimal vor Staub und Licht geschützt.
Sophia Zange, Marburg

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