Landesarchiv reduziert seinen CO2-Fußabdruck

Mit dem Stadtradeln 148 t CO2 eingespart

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Stadtradeln 2021
Stadtradeln 2021 bei Mainz-Kostheim

Auf der Liste der größten CO2-Emittenden stehen Archive vermutlich nicht an prominenter Stelle, doch auch sie belasten die Umwelt: Die ganzjährige Klimatisierung der Magazine, große Räume und Verkehrsflächen, versiegelte Grundstücke, dazu oft weite Pendlerstrecken der Mitarbeitenden und Lesesaalnutzer sind nur einige der prägenden Parameter. Nur wenige Archivbauten dürften den modernen Anforderungen an Klimaneutralität entsprechen. Historische denkmalgeschützte Gebäude wie die Staatsarchive in Marburg und das Haus der Geschichte in Darmstadt haben es per se schwer, die aktuellen Erwartungen an eine klimafreundliche Bauweise zu erfüllen. Nicht zuletzt vergrößern die stetig wachsenden Rechnerkapazitäten zur Speicherung und Zugänglichmachung der Archivalien den CO2-Fußabdruck des Landesarchivs zunehmend.

Da andererseits Nachhaltigkeit und das Denken in großen Zeiträumen zur genetischen Ausstattung von Archivierenden gehören, verwundert es kaum, dass 12 Mitarbeitende der Standorte Darmstadt und Wiesbaden durch ihre Teilnahme am Stadtradeln mit gut 1000 gesammelten Radkilometern nominell 148 t CO2 wieder einsparen konnten. Mit dieser seit 2008 jährlich stattfindenden internationalen Aktion, innerhalb derer die Teilnehmerkommunen drei Wochen zwischen Mai und September für das Sammeln von Fahrradkilometern festlegen, konnte das Landesarchiv gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn in diesem Jahr gab es durch die Pandemie ansonsten wenig Gelegenheit für gemeinschaftliche Projekte, um coronakonform den Teamgeist im Landesarchiv und seinen Standorten fördern. Der positive Effekt auf Gesundheit und Fitness kommt als Nutzen gerade auch in Zeiten geschlossener Turnhallen und Sportstudios noch besonders hinzu.

In der Regel beteiligen sich Teams unterschiedlicher Größe: Firmen, Schulen, Vereine und Initiativen und Agierende der Kommunalpolitik, die sich das Stadtradeln als besondere Zielgruppe auserkoren hat. Jede zurückgelegte Strecke wird dazu entweder online erfasst oder über eine Tracking-App, über die man auch Wünsche und Streckenmängel melden kann. Die hierbei entstehenden Daten werden in anonymisierter Form von der TU Dresden ausgewertet und anschließend den Kommunen zur Verfügung gestellt mit dem Ziel, der Kommunalpolitik den tatsächlichen Bedarf an Radinfrastruktur zu signalisieren. Wer seine Daten lieber nicht preisgeben möchte, kann jedoch auch ohne Tracking seine Kilometer online melden. Die Teamergebnisse werden laufend aktualisiert veröffentlicht.

Demnach haben sich in Wiesbaden stadtweit 2710 Personen in 175 Teams registriert, in Darmstadt waren es 3276 in 167 Teams. Im zehnköpfigen Team Hauptstaatsarchiv legte man in den drei Wochen im Schnitt 92 km pro Person mit dem Rad zurück. Das reichte immerhin für Platz 113 von 175 im Wiesbadener Ranking. In Darmstadt hielt das Team Haus der Geschichte mit 2 Teilnehmenden und je 40 km pro Person dagegen, was ihm Platz 158 von 167 bescherte.
Wobei von einem tatsächlichen CO2-Einspareffekt natürlich nur dann gesprochen werden könnte, wenn die Strecken ansonsten mit Mitteln des sogenannten motorisierten Individualverkehrs zurückgelegt worden wären. Da der Veranstalter außerdem nicht zwischen elektrischen und rein muskelbetriebenen Antrieben unterscheidet, sind diese Zahlen ohnehin mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem setzt die Aktion ein Signal und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Radverkehr in den Städten, auch und gerade dort, wo die Topografie nicht zwingend einen Umstieg auf das Fahrrad nahelegt. In Marburg und Neustadt findet das Stadtradeln übrigens erst im Zeitraum vom 30. August bis 21. September statt, so dass das Ergebnis des Landesarchivs noch als ein vorläufiges zu betrachten ist.
Weitere Informationen zum Stadtradeln unter www.stadtradeln.de
Nicole Röck-Knüttel, Hessisches Landesarchiv

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