1097 - Weibliches Siegel

Ein Siegel brauchte im Mittelalter jeder, der in seinem Alltag Rechtsgeschäfte tätigte und schriftlich festhalten musste. Auch Frauen traten als Siegelführerin auf. Sie benötigten des Siegel immer dann, wenn sie als amtierendes Familienoberhaupt – beispielsweise bei Abwesenheit des Ehemanns oder als Witwe – ihren unmündigen Sohn vertraten.
Mittelalterliche Frauensiegel sind daher eine besonderes gute Quelle zur Erforschung der Rolle der Frau in der Geschichte. Die Auswahl der Motive nimmt auf Stellung und Familie der Siegelinhaberin Rücksicht: Adelheid von Orlamünde, Pfalzgräfin bei Rhein, erscheint auf der Urkunde für das Georgsstift zu Limburg von 1097 in einem faltenreichen Gewand. Sie liest in einem Buch – sicher die Bibel – und gibt sich schon dadurch als gebildete Frau zu erkennen. Männer wären mit Wappen, mit Rüstung oder als Reiter dargestellt worden. Dass die Pfalzgräfin gleichwohl in einem rechtlichen Zusammenhang auftritt, zeigt das geschulterte Lilienszepter. Es ist ein altes Gerichtssymbol.

Hessisches Hauptstaatsarchiv Abt. 40 Nr. U 7
Quelle: Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold. Kostbarkeiten aus hessischen Archiven. herausgegeben von Thomas Wurzel. Konzeption und fachliche Betreuung Fritz Wolff, Frankfurt 2000, S. 82 (stark gekürzt)

Frauensiegel