1100 - Fälschung und Betrug

Der weit verstreute Besitz des Klosters Fulda ist in zwei umfangreichen Bänden in der Mitte des 12. Jahrhunderts erfasst worden. Der Mönch Eberhard hat auf Anordnung seines Abtes Markward auf insgesamt 374 Pergamentblättern ein einzigartiges Monument geschaffen: den Codex Eberhardi.
Die Handschrift gilt als eines der aufwändigsten und umfangreichsten Kopiale des hohen Mittelalters.
Die mit zahlreichen figürlichen und ornamentalen Verzierungen und Schmuck-Initialen ausgestattete Pergamenthandschrift enthält die Abschriften von Urkunden und Traditionsnotizen des Klostersarchivs. Kaiser- und Papstprivilegien sowie Privatschenkungen begründeten den immensen Besitz Fuldas, der sich von der Nordsee bis zu den Alpen und vom Elsass bis nach Thüringen erstreckte.
Der Mönch Eberhard hat allerdings seine Vorlagen teilweise verfälscht oder sogar Einträge frei erfunden. In der Wissenschaft gilt er als unzuverlässig und als Musterbeispiel für „Fälschung und Betrug“, wenngleich seine Verfälschungen oft nur formaler und nicht inhaltlicher Art sind. Er war nicht Fälscher aus Leidenschaft, sondern leidenschaftlich bemüht, weltliche Übergriffe auf Fuldaer Besitz abzuwehren und alle Ansprüche und Besitztitel seiner Abtei zu sichern.

Hessisches Staatsarchiv Marburg K 425 und 426
Quelle: Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold. Kostbarkeiten aus hessischen Archiven. herausgegeben von Thomas Wurzel. Konzeption und fachliche Betreuung Fritz Wolff, Frankfurt 2000, S. 64 (stark gekürzt)

Codex Eberhardi