1526 - Hundert Lutherbriefe

Zu den wertvollsten Dokumenten im Staatsarchiv Marburg gehört der Briefwechsel zwischen Luther und dem Landgrafen Philipp von Hessen. Die Korrespondenz setzt im Sommer 1526 ein, als der Landgraf die Homberger Synode vorbereitete, mit der die endgültige Abkehr von der alten Kirche vollzogen werden sollte. Sie endete im Herbst 1545, wenige Wochen vor Luthers Tod. Von den etwa 100 Briefen, die gewechselt wurden, ist etwa die Hälfte erhalten. Das Staatsarchiv Marburg besitzt 56 Briefe von Luther. Theologische und politische, aber auch persönliche Probleme des Landgrafen bilden den Hauptinhalt der Korrespondenz.
Luthers Brief vom 16. Dezember 1529 ist die Antwort auf ein Schreiben des Landgrafen, in dem dieser nach dem gescheiterten Marburger Religionsgespräch erneut versucht hatte, den Reformator für eine Politik des offenen und, wenn es sein musste, auch militärischen Widerstands gegen den Kaiser zu gewinnen. Luther hat sich lange gegen die Idee eines Verteidigungsbündnisses der Protestanten gegen den Kaiser gesträubt. Vor allem befürchtete er, dass die reine Verkündigung des Evangeliums in die Kombinationen weltlicher Machtpolitik hineingezogen werden sollte. Konkreten Anfragen und Aufträgen Philipps weicht Luther daher auch aus. Sein Kernsatz lautet jedoch: „Gott behüte uns nur auch, dass wir nicht auf unser Witz und Kraft pochen, sondern seiner Hilfe begehren und erwarten, so wird sie gewißlich kommen.“

Hessisches Staatsarchiv Marburg Best. 3 Nr. 2687
Quelle: Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold. Kostbarkeiten aus hessischen Archiven. herausgegeben von Thomas Wurzel. Konzeption und fachliche Betreuung Fritz Wolff, Frankfurt 2000, S. 65 (stark gekürzt)

Lutherbriefe