1633 - Anekdoten einer Schweinejagd

Der Maler Valentin Wagner dokumentierte 1633 die bei der oberhessischen Stadt Nidda veranstaltete Sauhatz, zu der Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt geladen hatte. Er zeichnete insgesamt 89 Bilder, die das gesamte höfische Jagdzeremoniell in einer kulturhistorisch einzigartigen und aufschlussreichen Weise schildern: Jagdszenen, bei denen durch allerhand Missgeschicke oft aus den Jägern die Gejagten werden, Personenskizzen, Feste und Landschaftsdetails. Nur Georg II. blieb von den Unglücksfällen verschont.
Bei der Niddaer Sauhatz wurde das sogenannte eingestellte Jagen praktiziert. Hierbei wurde das Wild innerhalb von drei bis vier Tagen in eine sogenannte Kammer zusammengetrieben, die von einer Wand aus Leinentüchern umgeben war, über die das Wild nicht fliehen konnte. An die Kammer schloss sich der sogenannte Lauf an, der ebenfalls mit Tüchern umzäunt war. Beim Beginn der eigentlichen Jagd wurden die Tiere in den Lauf getrieben, Die Jäger erwarteten dort die von den Hunden gehetzten Schweine und ließen sie in ihre Sauspieße hineinlaufen. Die Zuschauer konnten auf Leiterwagen außerhalb des Laufs die Jagd verfolgen.

Hessisches Staatsarchiv Darmstadt D 4 Nr. 188/14
Quelle: Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold. Kostbarkeiten aus hessischen Archiven. herausgegeben von Thomas Wurzel. Konzeption und fachliche Betreuung Fritz Wolff, Frankfurt 2000, S. 20 (stark gekürzt)