1766 - Geisterjagd in Darmstadt

Geistergeschichten üben immer wieder eine ganz besondere Faszination aus. Erbprinz Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt war fest von der Existenz von Geistern überzeugt und veranstaltete in den 1760er und 1770er Jahren sogar eine „Geisterjagd“ in Hessen-Darmstadt. Hilfreich zur Seite standen ihm dabei Oberhofmedicus Dr. Held sowie Samson Simon, ein aus Eberstadt stammender Schutzjude, der als „Medium“ fungierte. Sie durchstreiften nächtlich das Darmstädter Residenzschloss und stießen dabei auf eine ganze Armee von übersinnlichen Wesen, darunter Skelette, schwarze Männer und eine weiße Frau.
Die Geister wurden nicht nur gesichtet, sondern auf Anweisung des Erbprinzen auch zu verschiedenen Themen befragt. Die Antworten fielen häufig eher unklar aus.
Ende 1766 hingegen ergab sich ein Durchbruch bei einer der Seancen. Dem Medium Simon wurde ausgerichtet, dass man den Spuk erst loswerde, wenn man einen Schatz geborgen habe und somit die Geister erlöse. Das war in Zeiten knapper Kassen hochwillkommen. Denn das, was Simon in seinen Visionen vom Schatz zu sehen bekam, war vielversprechend: goldene Figuren, Diamanten und Edelsteinen und ein großes wertvolles Kruzifix. Die getroffenen Vorbereitungen zur Bergung des Schatzes und zur Vertreibung der Geister kamen durch eine mehrjährige Abwesenheit Ludwigs allerdings erst einmal zum Erliegen.
Nach seiner Rückkehr nahm die Geisterjagd erneut Fahrt auf: Ein Heidelberger Fabrikant, der sich als „Schatzgräber, Geisterseher und -banner“ bezeichnete, trat auf den Plan und gewann das Vertrauen Ludwigs. Nach nur kurzer Zeit in landgräflichen Beschwörungsdiensten knickte er jedoch ein und gestand, auf Simons Geheiß die Geisterseherei nur vorgetäuscht zu haben.
Simon wurde befragt und zur Wahrheitsfindung mit einem dünnen Stecken auf das Gesäß geschlagen. Er gestand daraufhin, wegen seiner Armut die Lügen vorgebracht zu haben. Auch Dr. Held sei in die Posse verwickelt. Zwar entzog Ludwig den genannten drei Personen sein Vertrauen, bestrafte sie aber nicht nennenswert. Seinen fest verankerten Geisterglauben konnte die Betrugsgeschichte ohnehin nicht erschüttern: Die Schatzsuche ging unverdrossen (und ohne Ergebnis) weiter.

Hessisches Staatsarchiv Darmstadt Best. R 4 Nr. 5113 und 5114
Darstellung der Berliner Weißen Frau (Gräfin von Orlamünde), die auch bei den Schatzgräbereien in Darmstadt eine Rolle spielte, 1725

Weiße Frau