1815 - Das Jahr ohne Sommer

Im April 1815 brach auf Indonesien der Vulkan Tambora aus. Über sieben Tage hinweg, mit der Sprengkraft von 170 000 Hiroshima-Bomben, trat Magma aus. Staub und Asche wurden in die Luft geschleudert. Auch Hessen war davon betroffen. Denn Schwefelaerosole, die sich in der Stratosphäre als Schleier um die ganze Erde legten, reflektierten das Sonnenlicht und sorgten für eine Abkühlung des Klimas. Den Zusammenhang zwischen dem Vulkanausbruch und den Folgen in Europa erkannte man allerdings erst 1920.
Die Eruption hatte in Mitteleuropa dramatische Auswirkungen: 1816 sollte als das „Jahr ohne Sommer“, als „Achtzehnhundertundverfroren“ in die Geschichte eingehen. Die niedrigen Temperaturen, Unwetter und anhaltende Regenfälle sorgten dafür, dass im Herbst Missernten zu beklagen waren. Als Reaktion darauf verordnete Kurfürst Wilhelm I. von Hessen am 21. November 1816, um dem Notstand an Nahrungsmitteln abzuhelfen, die Errichtung von „Notspeichern“ in jedem Amt. Sie sollten mit „Brotfrüchten“ gefüllt werden. Im damals nassauischen Rheingau wurden die ebenfalls unter gravierenden Ertragsausfällen leidenden Weinbauern finanziell unterstützt. Dem „Jahr ohne Sommer“ folgte das „Jahres des Hungers“: 1817. Teuerung und Hungersnöte bewirkten eine Auswanderungswelle.
Aber auch auf die Kunst hatte der Vulkanausbruch seine Auswirkung. William Turner verewigte die wegen der Staubteilchen ungewohnt farbenprächtigen Sonnenuntergänge in seinen Gemälden. Und als die Schriftstellertruppe Lord Byron, Mary Godwin und ihr späterer Ehemann Percy Shelley wegen des schlechten Wetters während des Sommerurlaubs am Genfer See in der Ferienvilla festsaß, riefen sie gegen die Langeweile einen Gruselgeschichtenwettbewerb aus.
Aus der Geschichte über die Kreatur, die Viktor Frankenstein erschafft, wird ein Klassiker der Literaturgeschichte. Benannt ist der Roman nach einer Burg an der hessischen Bergstraße …

Hessisches Hauptstaatsarchiv Abt. 223 Nr. 20
Liste zur Verteilung von Geldern an die von Missernten betroffenen Weingutsbesitzer in Oestrich, mit Unterschriften, 1818

Hessisches Staatsarchiv Darmstadt R 4 Nr. 6934/1
Johann Heinrich Schilbach: Burg Frankenstein, 1825

Vulkanausbruch