1904 - Barlach in Höhr-Grenzhausen

Selbst in gut erschlossenen Archivbeständen sind immer wieder überraschende Entdeckungen zu machen. Digitalisierungsarbeiten am Regierungspräsidium Wiesbaden im Hessischen Hauptstaatsarchiv haben gezeigt, dass einige Akten vor Jahrzehnten bei der Erschließung unberücksichtigt geblieben waren. Zu diesen gehörte auch die Personalakte des Bildhauers Ernst Barlach.
Barlach war 1904 als Lehrer für Modellieren und Zeichnen an die Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen berufen worden. Zwar befindet sich in der Akte von Barlachs eigener Hand nur die Unterschrift unter seiner Verpflichtung auf Gott und den König von Preußen. Neben dem üblichen Schriftverkehr, der bei der Personalverwaltung anfällt, darunter ein Lebenslauf und ein Personalfragebogen, ist aber auch eine vorläufige Beurteilung des neuen Lehrers durch den Direktor der Keramikfachschule, Meister, zu finden.
Dort heißt es: „Es wird dies [eine Einschätzung] erst möglich sein, wenn der Lehrer Barlach sich etwas mehr eingearbeitet hat, wozu mindestens noch ein halbes Jahr nötig sein wird. Namentlich im Zeichenunterricht, für ihn eine ganz neue Tätigkeit, fehlt noch die Sicherheit. Es ist vorläufig mehr ein Herumtasten, Suchen. Da seine Ansichten über Zeichenmethode und dergleichen aber gesunde sind, so wird er schon das Richtige finden. Er läßt sich auch belehren und nimmt Winke von mir und dem Lehrer Goltz gerne an, ohne jedoch einfacher Nachbeter zu sein. Im Modellierunterricht hatte ich auszusetzen, daß er das Figürliche zu sehr bevorzugte. – Mit den Schülern kommt er gut zurecht. Als Mensch muß man ihn, trotzdem er etwas Sonderling ist, achten.“

Leider konnte es zu keiner ausgereifteren Einschätzung kommen, da Barlach aus gesundheitlichen Gründen im März 1905 die Schule wieder verließ.
Hessisches Hauptstaatsarchiv Abt. 405 Nr. 7790

Barlach