1949 - Bundestagswahl in Hessen

Als der Wahlkampf zum ersten Deutschen Bundestag 1949 begann, regierte in Hessen eine Koalition aus CDU und SPD. Beide Parteien hatten beim demokratischen Wiederaufbau Hessens nach dem Krieg erfolgreich zusammengearbeitet. Obgleich sich der Wiederaufbau in der Westzone durch die Währungsreform beschleunigte und sich die Grundversorgung der Bevölkerung verbesserte, waren die Auswirkungen des Krieges noch längst nicht überwunden.
Zu den vordringlichsten und brennendsten Problemen zählten die Versorgung der Bevölkerung in den zerbombten Städten mit Wohnraum und der Wiederaufbau der zerstörten Industrieanlagen. In Hessen waren Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten, Evakuierte aus anderen deutschen Ländern, Flüchtlinge aus der Sowjetischen Besatzungszone und sogenannte Displaced Persons unterzubringen und zu versorgen. Insgesamt waren das 22 % der Gesamtbevölkerung. Mit umfangreichen Siedlungs- und Wohnbauprogrammen versuchte die Regierung Unterkünfte in großer Zahl zu schaffen.
Aus den beiden hier zu sehenden Wahlplakaten wird deutlich, dass die Kriegsfolgen und die Lösung der Alltagsprobleme die politische Diskussion der Bundestagswahl in Hessen beherrschten. Während sich SPD und CDU im Bundestagswahlkampf 1949 anderswo heftig bekämpften, werden in Hessen eher die Gemeinsamkeiten in der politischen Alltagsarbeit der Regierungskoalition offenbar. Zwar sprechen beide Parteien Themen von unterschiedlichen politischen Standpunkten aus an, doch stimmen sie in ihrem Appell an die Solidarität und die Mithilfe der Bürger beim Wiederaufbau überein.

Hessisches Hauptstaatsarchiv Abt. 3012 Nr. 260 und 1564
Quelle: Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold. Kostbarkeiten aus hessischen Archiven. herausgegeben von Thomas Wurzel. Konzeption und fachliche Betreuung Fritz Wolff, Frankfurt 2000, S. 95 (stark gekürzt)

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