Der "Wiesbadener Feuerwehrmarsch" von Kéler Béla

Komposition zu Ehren der städtischen Feuerwehr zum Klingen gebracht - Film auf Youtube

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Historische Vorführung der Wiesbadener Feuerwehr, um 1960
Historische Vorführung der Wiesbadener Feuerwehr, um 1960 (HHStAW Abt. 3008/2 Nr. 29927)

Die Kompositionen von Kéler Béla sind heutzutage fast vergessen - und das, obwohl sie im 19. Jahrhundert sehr beliebt waren. Kéler wurde 1820 in der Slowakei geboren und studiert zunächst Jura, dann auch Agrawissenschaften. Seine wahre Leidenschaft galt jedoch der Musik. Ab 1845 wirkte er als Violinist am Theater an der Wien, war dann bei verschiedenen Ensembles als Dirigent tätig und gründete 1860 ein Orchester in Pest. Seit 1864 war er Kapellmeister des Herzoglich Nassauischen II. Infanterieregiments, später auch des Kurorchesters in Wiesbaden. Zu seinen Kompositionen gehören neben verschiedenen sinfonischen Dichtungen und (Lustspiel-)Overtüren auch Tänze wie Polkas und Mazurkas, Quadrillen und Galoppe.

Löschübung der Wiesbadener Feuerwehr, um 1970
Löschübung der Wiesbadener Feuerwehr, um 1970 (HHStAW Abt. 3008/47 Nr. 11754)

Als Kapellmeister komponierte er zu Ehren der städtischen Feuerwehr den „Wiesbadener Feuerwehr-Marsch“ (op. 66), der zusammen mit dem „Herzog Adolph Jubiläums-Marsch“ (op. 67) um 1860 in Mainz bei Schott gedruckt wurde. Anders als viele anderen zeitgenössischen Feuerwehrmärsche war der Wiesbadener jedoch für Orchester komponiert, also nicht als „echter“ Marsch für eine Feuerwehrkapelle. Auch das Metrum und die musikalische Form eignen sich nicht gut zum Marschieren: Das Stück in der Abfolge Hauptteil - Trio - Hauptteil (Wiederholung) steht im 6/8-Takt. Obwohl die Notenbezeichnungen „Allarm-Signal“, „Die Bestürzung“ und „Rettungs-Signal“ eine gewisse Dramatik versprechen, ist die ganze Komposition äußerst heiter-beschwingt. Auch die Tonarten D-Dur (Hauptteil) und G-Dur (Trio) erzeugen weder Spannung, noch vemitteln sie den Ernst der (meisten) Feuerwehreinsätze. Abgesehen von den Alarmierungs- und Rettungssignalen gibt es kein besonderes Charakteristikum, das auf Wiesbaden im Allgemeinen oder die Feuerwehr im Besonderen hinweist - das Stück ist einfach komponierte, kurzweilige Unterhaltungsmusik. Wo der Feuerwehrmarsch zur Aufführung kam, ist nicht bekannt. Möglicherweise wurde er anlässlich eines Jubiläums komponiert und vielleicht bei den täglichen Platzkonzerten im Kurpark aufgeführt.

Brandbekämpfung bei einem verunglückten LKW, um 1960
Brandbekämpfung bei einem verunglückten LKW, um 1960 (HHStAW Best. 3008/47 Nr. 3639))

Ein Exemplar des Wiesbadener Feuerwehrmarschs wird in der Stadtbibliothek Mainz aufbewahrt (ThB KM 1410). Der Druck enthält keine Partitur, sondern nur die Stimmen - Piccolo, Flöte, Oboe, Klarinette in D und A, Fagott, dann vier Hörner in F, Trompete 1 und 2 in F, Posaune, Tuba, Schlagwerk (Militärtrommel, Große Trommel und Becken) sowie Streicher. Ein Digitalisat ist in der IMSLP (International Music Score Library Project) online einsehbar.

Wir haben das kurzweilige Werk mit einem Musikprogramm zum Klingen gebracht und zeigen dazu historische Fotografien der Wiesbadener Feuerwehr und benachbarter Wehren aus den Beständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. Sie wurden bei Einsätzen, Übungen und Vorführungen in Wiesbaden und Umgebung aufgenommen. Den ganzen Film können Sie auf Youtube anschauen - und anhören: https://www.youtube.com/watch?v=giHzquqWT0s
Dorothee A.E. Sattler, Hessisches Landesarchiv

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