In der ersten Phase unseres sechswöchigen Praktikums erwartete uns ein buntes Bouquet aus theoretischen Einführungen in verschiedene Bereiche des Archivwesens. Über die Nutzung und Recherche näherten wir uns dem Archivinformationssystem Arcinsys an, um dann auch in die Verzeichnung neuer Archivalien im System und die dabei zu beachtenden Schutzfristen eingeführt zu werden. Auch mit den Beständen des Hauses wie der eindrucksvollen Kartensammlung haben wir uns vertraut gemacht. Die Einführungen in die Öffentlichkeitsarbeit, die Familienforschung und die Archivpädagogik zeigten uns verschiedene Schnittstellen zwischen dem Archiv und seinen Nutzenden. Bei paläographischen Übungen konnten wir unsere Lesefähigkeiten an verschiedenen Archivalien erproben.
Wir waren aber auch ganz aktiv in die Arbeit des Archivs eingebunden. Im Vorfeld des Tags der Archive, der am internationalen Frauentag am 8. März stattfand, haben wir uns der Recherche von Archivalien zur Frauengeschichte gewidmet, die wir im Rahmen von Führungen den Besuchenden vorgestellt haben. Auch bei der Öffentlichkeitsarbeit konnten wir selbständig unserer Kreativität freien Lauf lassen. Zum Tag der Demokratiegeschichte haben wir die Bestände nach entsprechenden Archivalien durchforstet und dann Instagram-Posts dazu gestaltet. Darüber hinaus haben wir uns einen Überblick über den Social Media-Auftritt des Hessischen Landesarchivs verschafft und neue Konzeptideen in einem Redaktionsplan zusammengestellt.
Eine unserer Hauptaufgaben bestand darin, den wissenschaftlichen Nachlass des Psychologen und Pädagogen Adolf Busemann zu erschließen. Dieser war Ende der 1930er nach Marburg übergesiedelt und unter anderem als Psychologe am Hirnverletztenlazarett in Marburg tätig. Später unterrichtete er als Psychologiedozent an der Uni Marburg und gab Unterricht im Rahmen der „Lehrgänge zur Ausbildung von Sonderschullehrern“.
Seinen Schwerpunkt auf die Intelligenzforschung haben wir beim ersten Durchsehen des Nachlasses schnell bemerkt. Neben Stapeln mit Korrespondenz und Manuskripten haben wir zahlreiche Mappen mit (Intelligenz-)Tests gefunden, die Busemann an Kindern, Jugendlichen und Soldaten durchgeführt hat. Dabei sind wir auf Testverfahren, wie den Baumtest gestoßen, bei dem Kinder einen Baum zeichnen sollten, aus dem Busemann dann Schlüsse auf deren Psyche zog.