Ein in weißem Papier verpacktes Packet, mit Band umschnürt und der Aufschrift "Praktikantinnen" Nr. 2026 liegt in einem Gang. Dahinter ein Karton mit der Aufschrift "340 Busemann"

Tests, Tackernadeln, Tag der Archive

Drei Studierende berichten von ihren praktischen Erfahrungen im Archiv

In der ersten Phase unseres sechswöchigen Praktikums erwartete uns ein buntes Bouquet aus theoretischen Einführungen in verschiedene Bereiche des Archivwesens. Über die Nutzung und Recherche näherten wir uns dem Archivinformationssystem Arcinsys an, um dann auch in die Verzeichnung neuer Archivalien im System und die dabei zu beachtenden Schutzfristen eingeführt zu werden. Auch mit den Beständen des Hauses wie der eindrucksvollen Kartensammlung haben wir uns vertraut gemacht. Die Einführungen in die Öffentlichkeitsarbeit, die Familienforschung und die Archivpädagogik zeigten uns verschiedene Schnittstellen zwischen dem Archiv und seinen Nutzenden. Bei paläographischen Übungen konnten wir unsere Lesefähigkeiten an verschiedenen Archivalien erproben.

Wir waren aber auch ganz aktiv in die Arbeit des Archivs eingebunden. Im Vorfeld des Tags der Archive, der am internationalen Frauentag am 8. März stattfand, haben wir uns der Recherche von Archivalien zur Frauengeschichte gewidmet, die wir im Rahmen von Führungen den Besuchenden vorgestellt haben. Auch bei der Öffentlichkeitsarbeit konnten wir selbständig unserer Kreativität freien Lauf lassen. Zum Tag der Demokratiegeschichte haben wir die Bestände nach entsprechenden Archivalien durchforstet und dann Instagram-Posts dazu gestaltet. Darüber hinaus haben wir uns einen Überblick über den Social Media-Auftritt des Hessischen Landesarchivs verschafft und neue Konzeptideen in einem Redaktionsplan zusammengestellt.

Eine unserer Hauptaufgaben bestand darin, den wissenschaftlichen Nachlass des Psychologen und Pädagogen Adolf Busemann zu erschließen. Dieser war Ende der 1930er nach Marburg übergesiedelt und unter anderem als Psychologe am Hirnverletztenlazarett in Marburg tätig. Später unterrichtete er als Psychologiedozent an der Uni Marburg und gab Unterricht im Rahmen der „Lehrgänge zur Ausbildung von Sonderschullehrern“.

Seinen Schwerpunkt auf die Intelligenzforschung haben wir beim ersten Durchsehen des Nachlasses schnell bemerkt. Neben Stapeln mit Korrespondenz und Manuskripten haben wir zahlreiche Mappen mit (Intelligenz-)Tests gefunden, die Busemann an Kindern, Jugendlichen und Soldaten durchgeführt hat. Dabei sind wir auf Testverfahren, wie den Baumtest gestoßen, bei dem Kinder einen Baum zeichnen sollten, aus dem Busemann dann Schlüsse auf deren Psyche zog.

rote Mappe mit handschriftlichen Notizen auf dem Deckel
HStAM, 340 Busemann, Nr. 36 – vor und nach dem Abstauben

Nach der ersten Sichtung und groben Gliederung des Nachlasses ging es ans Abstauben und Entmetallisieren (Metall rostet und beschädigt das Papier) der Akten. Anschließend wurden diese in Jurismappen und Kartons gepackt, mit einer Signatur versehen und in Arcinsys verzeichnet. Auch wenn wir beim Entfernen winzig kleiner Tackernadeln fast verzweifelt sind, hielt der Nachlass doch immer eine Überraschung für uns bereit, so dass der Prozess nie langweilig wurde. Zur besseren Einordnung seines Nachlasses haben wir zu Busemanns Biografie recherchiert, die uns schließlich ins Hauptstaatsarchiv Wiesbaden geführt hat.

drei Frauen und ein Mann sitzen an einem Gruppentisch und schauen sich Akten an
Die Praktikantinnen und der Praktikant bei der Recherche im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden mit der FaMI-Auszubildenden Lisa Bodenbender

Dort bekamen wir auch eine Führung durch das Archiv, das in den 1980er Jahren erbaut wurde und folglich – wie das im Nationalsozialismus erbaute Staatsarchiv in Marburg – Spuren seiner Bauzeit trägt, die sich beispielsweise in der orangen und grünen Farbe der Rollregale im Magazin sowie in einer dicken Atomschutztür zeigen. Neben dem Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und unserem Praktikumsstandort Marburg haben wir während unseres Praktikums noch einige andere Archive kennengelernt. So nahmen wir an Führungen durch den Neubau des DDK Bildarchivs Foto Marburg, das Stadtarchiv Marburg, das Archiv der Philipps-Universität, das Grundbuch- und Personenstandsarchiv in Neustadt und das Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der Burg Ludwigstein, teil. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Archive sowohl bezogen auf ihre Bestände als auch mit Blick auf ihre Infrastruktur aufgebaut und ausgestattet sind und auf diese Weise einen Einblick in die Vielfalt der hessischen Archivlandschaft zu bekommen.

Michael Hoffmann, Nadja Hoitz, Paula Wallbrecht

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