Seit 1. September läuft der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der in diesem Jahr unter dem Motto „Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte“ steht. In der bereits 30. Ausschreibungsrunde des alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbs können Kinder und Jugendliche bis 28. Februar 2027 die Ergebnisse ihrer historischen Spurensuche einreichen. Alle Informationen zu Voraussetzungen und möglichen Formen der Beiträge, sowie das Magazin „spurensuchen“, der Leitfaden „Geschichte erforschen“ oder das Projektheft für Teilnehmende finden sich auf der Webseite der Körber-Stiftung: koerber-stiftung.de/projekte/geschichtswettbewerb/Öffnet sich in einem neuen Fenster.
Geschichtswettbewerb
Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte
Mit Essen und Trinken bildet in diesem Jahr ein alltagsgeschichtliches Thema den Rahmen, das sich auf verschiedenen Ebenen und Schwierigkeitsgraden – der Wettbewerb richtet sich an alle von der Grundschule bis 21 Jahren – bearbeiten lässt. Wichtig ist dabei immer der regionale oder persönliche Bezug. Man kann also über Familienrezepte, den Schlachthof, den es früher in der Stadt gegeben hat, oder regionale Spezialitäten verschiedenen Fragen nachgehen wie: Was wurde wann von wem gegessen und wie wurden Nahrungsmittel produziert und verteilt? Welche Gerichte und Getränke galten als teuer, exotisch oder eher als „Arme-Leute-Essen“? Welches Essen war aus welchen Gründen verboten oder wurde als unrein oder schädlich angesehen? Und was hat Tiefkühlkost mit Frauenemanzipation zu tun?
In den Beständen der Staatsarchive lässt sich besonders gut der Blick der Verwaltung auf Lebensmittelproduktion und -zuweisung in Kriegs- und Krisenzeiten rekonstruieren. In einer Verordnung des Bundesrats zur Lebensmittelfrage vom 28. Oktober 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wird etwa die zu erwartende Brotknappheit thematisiert und zu Sparsamkeit aufgerufen. Es wird festgelegt, dass ab 1. Dezember nur noch mit Kartoffeln gestrecktes Roggenbrot gebacken werden dürfe, das sogenannte Kriegsbrot (oder K-Brot). Gleichzeitig wird in der Verordnung das Verfüttern von Brotgetreide an Vieh verboten (etwa in HStAM Best. 180 Eschwege Nr. 1031Öffnet sich in einem neuen Fenster).
In der ULB Darmstadt findet sich ein „Kochbüchlein für die Kriegszeit“ aus dem Jahr 1915, in dem man anhand der hier versammelten Rezepte das Kochen im Mangel gut nachvollziehen kann. Hier wird bei den „Kriegsknöpflein“ ebenfalls mit Kartoffeln das Mehl gestreckt oder ein Griesschmarren ohne Eier zubereitet. Der Band ist im Portal "TU digit" digital einsehbar ( tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/50-8340Öffnet sich in einem neuen Fenster)
Die Quellen vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind oft gedruckt oder in einer sehr regelmäßigen Kurrentschrift geschrieben, sodass sie auch für Schülerinnen und Schüler nach einer gewissen Einarbeitung auswertbar sein sollten. Weitere Quellen des Staatsarchivs Marburg, auch zu Rezeptbüchern aus privaten Nachlässen oder Archivalien zum Essen am Hofe, finden sich in einer kurzen Zusammenstellung ebenfalls auf der Homepage der Körber-Stiftung: https://koerber-stiftung.de/projekte/geschichtswettbewerb/mitmachen/recherchetipps/Öffnet sich in einem neuen Fenster
Hier haben auch weitere Archive Tipps zu einschlägigen Beständen eingestellt. Gerne stehen wir in den Häusern des Landesarchivs für interessierte Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zur Verfügung. Melden Sie sich gerne, auch wegen des Kontakts zu unseren Archivpädagogen, an unsere zentrale E-Mail-Adresse info@hla.hessen.de.
Katrin Marx-Jaskulski, Marburg