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Elektronische Geodaten finden den Weg ins Archiv

Wichtige Meilensteine auf dem Weg zu einer verlässlichen Überlieferung digitaler Katasterunterlagen.

Die Rauchschwalbe fliegt dorthin, wo sie die meisten Insekten und Lehm für ihre Nester findet, die Bachforelle schwimmt dorthin, wo sie auf sauerstoffreiches Wasser trifft und der Feldhamster lässt sich dort nieder , wo er ungestört reiche Nahrungsvorräte für den Winter anlegen kann. So nehmen schon Tiere die Unterschiede in ihrer Umgebung wahr und nutzen sie ihren Bedürfnissen entsprechend.

Diese Unterschiede ebenfalls erkennend und benennend, geht der Mensch seit Jahrtausenden noch weiter. Er vermisst, kategorisiert, kartiert und teilt ein. Wir halten die Grenzen von Grundstücken, Kommunen und Ländern exakt fest, wir ermitteln die Höhe von Bergen oder die Länge von Flüssen und wir wollen über die Verläufe von Wegen und Straßen navigieren. All dies beeinflusst sowohl unseren direkten Alltag als auch rechtliche und fiskalische Sachverhalte maßgeblich, weshalb die Vermessung seit jeher vornehmlich in hoheitlicher Hand liegt.

Da die Staatsarchive das verwahren, was Menschen – insbesondere in öffentlichem Auftrag – schufen, verwundert es nicht, dass sich auch dieses Betätigungsfeld in den Beständen niederschlägt.

So gibt es in Hessen ein Grundbucharchiv, welches im Auftrag der Justiz als Außenstelle in Neustadt geführt wird und alle nicht mehr ständig benötigten Grundbücher und -akten sicher und fachgerecht vorhält. Die vor der letzten Jahrhundertwende je nach Herrschaftsgebiet unterschiedlich ausgestalteten Vorläufer der Grundbücher, vornehmlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sind hingegen in großer Zahl als Archivgut in den Staatsarchiven Darmstadt, Marburg und Wiesbaden zu finden.

Doch damit ist die Zahl archivierter Nachweise menschlicher Landschaftsstrukturerhebungen noch lange nicht erschöpft. Insgesamt liegen beispielsweise alleine im Sonderbestand 3011/2 (Karten und Pläne) des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden weit über 100.000 Katasterkarten, die zu den unterschiedlichsten Zeiten und zu unterschiedlichsten Zwecken angefertigt wurden.

Tabelle mit verschiedenen Informationen
Ausschnitt aus einer Tabelle zur Übernahme von Geobasisdaten

Aus den heutigen Ämtern für Bodenmanagement übernimmt das HLA noch heute sukzessive alle Urschätzungen land- und forstwirtschaftlicher Bodenflächen, die ihren Ursprung im Bodenschätzungsgesetz von 1934 haben. Diese geben nicht nur Auskunft über die Bodenbeschaffenheit, sondern liefern auch die steuerlichen Bemessungsparameter, weshalb sie zusätzlich in die Zuständigkeit der Finanzverwaltung fallen.

Das Erkenntnisinteresse, zu dem diese Unterlagen in den Lesesälen des HLA eingesehen wird, ist vielfältig und reicht von einer dem Ursprungszweck entsprechenden fachlichen Nachnutzung bis hin zu genealogischer Forschung.

Allerdings haben im 21. Jahrhundert auch in der Vermessung die digitalen Zeiten vermehrt Einzug erhalten. Vielfältige Geobasisdaten werden digital erzeugt, nachgehalten und unter Nutzung eines Geoinformationssystems (GIS) verwendet sowie mit weiteren Geofachdaten zusammengebracht. Dies bringt unter Nutzung geeigneter Software einerseits zwar eine Vielzahl neuer und erleichterter Anwendungsmöglichkeiten mit sich, macht aus Perspektive des HLA eine Bewertung und dauerhafte Archivierung aber auch komplex. Im Archiv müssen die Daten konserviert den technischen Fortschritt überdauern und dennoch nutzbar bleiben. 

Mithilfe fachlicher Bewertungsstrategien muss entschieden werden, welche Daten als historisch wertvoll und damit archivwürdig gelten und welche vernichtet werden können, weshalb im Vorfeld viele inhaltliche und technische Fragen zu beantworten sind. Welche Daten sind aus inhaltlichen und technischen Gründen unentbehrlich? Welche Formate und Auflösungen erfüllen die Archivzwecke am besten? In welchen zeitlichen Abständen sollen regelmäßig erhobene Daten archiviert werden? Welche zusätzlichen Metadaten müssen nachgehalten werden, um Nutzbarkeit langfristig zu gewährleisten? Auf Grundlage der Leitlinie zur bundesweit einheitlichen Archivierung von Geobasisdaten https://www.bundesarchiv.de/das-bundesarchiv/kooperationen-und-partner/kla/#c53218Öffnet sich in einem neuen Fenster wurde in den vergangenen Jahren an der Übernahme von Geobasisdaten aus der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation gearbeitet. Dabei waren zum einen archivintern eine sehr enge Zusammenarbeit des Wiesbadener Überlieferungsbildungsreferates mit dem Digitalen Archiv, zum anderen eine tiefgehende Abstimmung mit dem Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation erforderlich.

Drei Frauen und ein Mann machen ein Selfie und lachen in die Kamera
Das Team des Hessischen Landesarchivs bei einem Vor-Ort-Termin beim Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation

Dieses fruchtbare Zusammenwirken – das zukünftig auch bei der Übernahme von Fachverfahren oder E-Akten-Systemen immer mehr an Bedeutung gewinnen wird ­– stellt jetzt sicher, dass nun auch die elektronischen Daten, wie etwa die unterschiedlichen Elemente des Liegenschaftskatasters, der digitalen Landschafts-, Gelände- und Oberflächenmodelle, der Topographischen Karten sowie der Luftbildaufnahmen in späteren Jahrzehnten und Jahrhunderten zur Nutzung bereitgestellt werden können.

Elias Miorandi, Wiesbaden

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