2026 begehen die Bayreuther Festspiele ihr 150. Jubiläum. Die ersten Wagner-Festspiele fanden vom 13. bis 30. August 1876 statt. Mittlerweile ist es üblich, dass sie am 25. Juli eröffnet werden. Angesichts des internationalen Renommees der Festspiele ist es nicht verwunderlich, dass sich auch in den Beständen des Hessischen Landesarchivs einige Archivalien zur Festspielgeschichte finden. Besonders interessant ist gewiss ein Brief, den der Bühnenbildner Paul von Joukowsky (1845–1912) am 31. August 1886 aus Baden-Baden an den Grafen Emil von Schlitz genannt von Görtz (1851–1914) richtete. Das Datum ist über den Tod von Franz Liszt am 31. Juli 1886, der im Brief genannt wird, zu rekonstruieren.
Geld für Bayreuth
Korrespondenz des Bühnenbildners Paul von Joukowsky mit dem Grafen Schlitz
Der Maler Joukowsky war 1880 in Neapel von Richard Wagner angeworben worden, die Uraufführung seines Bühnenweihfestspiels „Parsifal“ 1882 in Bayreuth auszustatten. Einige seiner Briefe an den theaterbegeisterten Grafen von Schlitz, einen Jugendfreund Kaiser Wilhelms II., sind im Staatsarchiv Darmstadt überliefert (HStAD, Best. F 23 A , Nr. 383/7): einer sogar reich illustriert und mit einem Selbstporträt des Künstlers versehen.
Ende August 1886 berichtete Joukowsky von den zurückliegenden Festspielen, die der Graf Schlitz in derselben Saison, aber eben vor ihm besucht hatte, so dass sich beide nicht gesehen hatten. Joukowksy erwähnt einige hochadelige Besucher, die hervorragende Qualität der Aufführungen und die gute Auslastung der Festspiele – zumindest der „Parsifal“-Aufführungen. Die gute Auslastung war allerdings etwas übertrieben, denn die Besuche ließen sehr zu wünschen übrig, so dass Freikarten vergeben wurden und in den böhmischen Bädern eine Werbekampagne gestartet werden musste, um die Festspiele nicht zum Desaster werden zu lassen (Oswald Georg Bauer: Die Geschichte der Bayreuther Festspiele, Band 1: 1850–1950, München 2016). Nur die Aufführungen des „Parsifal“, der ja auch nur dort zu erleben war, hatten einen guten Zuspruch.
Letztlich bestätigt aber auch Joukowsky die Misere, indem er erwähnt, dass die Veranstalter erst bei der vorletzten Vorstellung gewusst hätten, dass die Festspiele kein Defizit, sondern einen kleinen Überschuss gebracht hatten. Tatsächlich standen Ausgaben von 420.220 Mark Einnahmen von 447.555 Mark entgegen. Das war als Erfolg zu werten, bedeutete aber keine dauerhafte Sicherung der Festspiele. Deshalb wandte sich Joukowsky an den Grafen: „Dieses Factum [der finanziellen Unsicherheit] und der allgemeine Entusiasmus [sic], die Ungetheilte Anerkennung der Bayreuther einzigen Leitung [Richard Wagners Witwe Cosima] gab einigen Freunden der Sache (unter ihnen auch mir) den Gedanken an Ort und Stelle ein neues Patronat zu gründen; ganz unabhängig vom Verwaltungsrath, um die künftigen Vorstellungen, vorerst auf 5 Jahre Zeit sicher zu stellen und zwar so, dass die Möglichkeit eines Deficits ausgeschlossen bliebe.“
Insgesamt müssten, so Joukowsky, 60.000 Mark eingeworben werden. Die Dirigenten Felix Mottl und Hermann Levy, Joukowsky selbst, aber auch die beiden adligen Bayreuth-Besucher Albert von Puttkamer und Henning Graf Arnim-Schlagenthin gehörten zu denen, die diese Idee entwickelt und innerhalb eines Tages bereits 25 Mitglieder angeworben hatten, darunter die Großherzogin Luise von Baden und Prinz Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm II. Jedes Mitglied sollte 1000 Mark beisteuern, und Schlitz wurde ermuntert, hinzuzustoßen.
Diese Aktion nannte sich deshalb auch das „Tausend-Mark-Patronat“, die allerdings die in sie gesetzte Hoffnung nicht erfüllte. Es wurden nur 30.000 Mark insgesamt gesammelt, die wiederum für Stipendien verwendet wurden. Ob der Graf Schlitz sich gewinnen ließ, die „grose [!] und ideale Sache“ zu unterstützen, bleibt wegen des nicht überlieferten Antwortschreibens offen. So oder so: Die Festspiele konnten auch in den kommenden Jahren weitergehen, wenn auch immer wieder mit Unterbrechungen, so auch 1887. Deshalb sind es zum 150. Jubiläum auch erst die 112. Festspiele, die 2026 über die Bühne des Bayreuther Festspielhauses gehen.
Rouven Pons, Darmstadt