Im Juli unternahmen wir, die hessischen Referendarinnen und Referendare sowie Anwärterinnen und Anwärter des ersten Ausbildungsjahres, Exkursionen in diverse hessische Archive, die fast die gesamte Bandbreite der vielfältigen Archivlandschaft repräsentierten. Im Bereich der Kommunalarchive besuchten wir die Stadtarchive von Gießen, Kassel und Bad Homburg sowie das Kreisarchiv des Hochtaunus-Kreises mit dem Zwischenarchiv in Usingen. Den Typ des staatlichen Archivs repräsentierte das Hessische Staatsarchiv Darmstadt. Daneben lernten wir auch Archive kennen, die kein Verwaltungsarchiv darstellten: das documenta-Archiv, das Archiv der deutschen Frauenbewegung und das Hessische Wirtschaftsarchiv. Passend zu dieser Vielfalt erhielten wir bei unserer Exkursion nach Darmstadt, an der auch die Auszubildenden zu Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste aus dem Hauptstaatsarchiv Wiesbaden teilnahmen, ebenso Einblicke in die Archivberatung. Diese berät die vielen Akteure der diversen Archivlandschaft Hessens beim Aufbau und Betrieb von Archiven.
Obwohl die Archive so vielfältig sind, stießen wir doch des Öfteren auf ähnliche Herausforderungen. So warfen die hochsommerlichen Temperaturen ein Schlaglicht auf die Klimatisierung der Magazinräume. Die Bedingungen vor Ort erwiesen sich als sehr unterschiedlich: Vom vollständigen Fehlen einer Klimatisierung über eine teilweise funktionsfähige Klimaanlage bis hin zu einem erstaunlich gut funktionierenden Lüftungssystem. Auch Platzmangel war ein wiederholt angesprochenes Thema, wobei durchaus unterschiedliche Lösungen gefunden wurden. Sie reichten von der Anmietung von Räumlichkeiten an verschiedenen Orten bis hin zur Räumung von Magazinflächen durch Untermieter. Überhaupt konnten die Exkursionen uns wichtige Einblicke in das Gebäudemanagement gewähren. Die Extrembeispiele reichten hierbei von Magazinräumen unter einem Schwimmbad bis hin zur prachtvollen Villa Wertheimber, der ehemaligen Sommervilla der gleichnamigen Bankiersfamilie, in der das Stadtarchiv Bad Homburg untergebracht ist. Das Beispiel des Stadtarchivs Kassel zeigte uns, wie Archivarinnen und Archivare mit der Planung und Organisation von Umzugs- und Baumaßnahmen befasst sind. So war bis zum Jahresbeginn das Stadtarchiv Kassel noch mit einer sehr beengten und für den Archivbetrieb nachteiligen Raumsituation in einem Dachgeschoss konfrontiert. Der Umzug in sanierte Räumlichkeiten im Erdgeschoss desselben Gebäudes brachte erhebliche Verbesserungen bezüglich Platzangebot, Präsentation und Barrierefreiheit. Allerdings müssen die Mitarbeitenden derzeit den Betrieb des Archivs bei noch laufenden Sanierungsmaßnahmen in den Magazinräumen gewährleisten.