Übermaltes Foto: Links das Heck eines LKWs, daneben auf einer Treppe Zivilpersonen und Soldaten, die Kunstwerke ausladen

Zehn Diptychen zwischen Geschichte und Malerei: marburg files von Volker Schönhals

Mit den Marburg Files präsentiert der Marburger Künstler Volker Schönhals eine außergewöhnliche Serie von zehn Diptychen, in denen Malerei und historische Fotografie aufeinandertreffen.

Jede Arbeit des Künstlers vereint eine übermalte Fotografie mit einer zweiten, zunächst abstrakt wirkenden Leinwand. Beide Bildteile entstehen simultan und reagieren farbig wie strukturell aufeinander. Auf diese Weise entwickelt Schönhals einen dialogischen Bildraum, in dem Figuration und Abstraktion miteinander verschmelzen.

Inhaltlich widmet sich die Serie markanten, teils brisanten Episoden aus der Marburger Geschichte. "Ferdinand" (mf1) erinnert an die falsche Beatles-Ankündigung von 1966, "Marburg Virus" (mf2) und mf3 thematisieren den Ausbruch des Marburg-Virus und seine globale Aktualität. In "Archiv – Monuments Men" (mf4) verweist der Künstler auf den Marburger Central Collecting Point von 1945, während "Windsor-Akte, Edward" (mf5) die geheimen Unterlagen zu Edward VIII. aufgreift, die der Reihe ihren Namen gaben.

Mikroskopische Aufnahme von Marburg-Viruspartikeln. Rechts sind mehrere längliche, dunkel gefärbte Virusstrukturen vor orangefarbenenm Hintergrund zu sehen; die linke Bildhälfte ist dunkel
Marburg Virus 1 (mf2)

Auch lokale Biografien und Stadtgeschichten prägen die Werke: "Vier jüdische Kälberhändler" (mf6) erinnert an das Schlachthofviertel und seine jüdische Kulturgeschichte, "Zwei in Tracht" (mf7) thematisiert die Fremdheit historischer Trachtendarstellungen. "Die letzte Fahrt" (mf8) reflektiert die stillgelegte Bahnstrecke südlich der Stadt und eine familiäre Spur im Leben des Künstlers. "Ulrike" (mf9) zeigt die junge Ulrike Meinhof in ihrer Marburger Zeit, und "Klaus" (mf10) porträtiert die frühen sportlichen Jahre des Fußballers Klaus Zaczyk. 

Schönhals’ Diptychen beeindrucken durch ihre malerische Intensität: Die Farbschichten wirken nicht als Überdeckung, sondern als Erweiterung der Motive. Durch die parallele Entstehung beider Bildteile entsteht eine spannungsreiche Einheit, in der das Abstrakte das Figurative kommentiert – und umgekehrt. Die Marburg Files verbinden damit historische Recherche und malerische Freiheit zu einem Werkkomplex, der Vergangenheit sichtbar macht und zugleich zeitlose Bildräume öffnet.

Die Ausstellung wird durch originale Exponate, historische Zeitungsausschnitte und weitere themenbezogene Quellen aus dem Bestand des Hessischen Landesarchivs Marburg ergänzt. Begleitet wird die Schau von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Unter anderem spielten zur Vernissage die Mountain Blackbirds Songs der Beatles. Die Ausstellung wird unterstützt durch den Kultursommer Mittelhessen.

Volker Schönhals, Marburg

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