Scherenschnitt von drei Personen, die an einem Tisch sitzen und Kaffee trinken.

Was historische Akten und digitale Überlieferungen über unsere Kaffeekulturen erzählen

Am 1. Oktober feiern wir in Deutschland bereits zum 21. Mal den Tag des Kaffees. Rund 164 Liter Kaffee trinkt jeder Bundesbürger durchschnittlich pro Jahr. Damit ist Kaffee mit Abstand das beliebteste Heißgetränk in Deutschland.

Auch in den hessischen Archiven hat der Kaffee seine Spuren hinterlassen. Gibt man das Wort „Kaffee*“ in Arcinsys ein, dem Archivinformationssystem von über 100 Archiven in Hessen, erhält man 3811 Treffer. Im Hessischen Landesarchiv reichen die ersten Rechercheergebnisse zur schriftlichen Überlieferung bis ins 18. Jahrhundert zurück.

In Deutschland breitete sich der Kaffeekonsum bereits früh und rasant aus. Damit gewannen sowohl der Import als auch die Regulierung des Kaffees zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Kaffee war längst nicht mehr nur ein Genussmittel, sondern wurde zu einer Ware, deren Handel und Konsum staatlich kontrolliert und besteuert wurden. So wurde das Kaffeetrinken beispielsweise durch eine Anweisung des Landgrafen Ludwig zu Hessen im Jahr 1766 ausdrücklich verboten: „dass überall bey unseren Unterthanen, insonderheit aber auf dem Land, der Mißbrauch des Caffé Trinkens bis auf[s] höchste gekommen ist; so haben wir uns aus Landesväterlicher-Vorsorge, …, wodurch unsern getreuen Unterthanen neben der Schwächung ihrer Gesundheit in merklichen Verfall ihrer Nahrung gerathen, nicht noch mehr einreissen möge […]“.

Weiter heißt es:

...Ist der weitere Gebrauch des Caffé überall auf denen Dörfern und einzelnen Höfen, denen Bauern, Taglöhnern und Gesinde, bey 10 Reichsthaler Geld oder 14 tägiger Gefängnis-Strafe hiermit untersaget und verboten… (HStAD Best R 1 A ,Nr. 43/70)

Im preußischen Staat war der Kaffee Gegenstand staatlicher Kontrolle geworden. Er beanspruchte das Handelsmonopol, um den Abfluss von Geld ins Ausland zu verhindern und die eigenen Einnahmen zu erhöhen. Der Preis und die staatlichen Beschränkungen förderten allerdings den Kaffeeschmuggel. 1781 wurden auf Veranlassung Friedrichs des Großen die sogenannten Kaffeeriecher eingesetzt. Ihre Aufgabe war es, verbotene private Kaffeeröstereien aufzuspüren und Schmuggelkaffee zu beschlagnahmen. Erst unter seinem Nachfolger wurde das staatliche Kaffeemonopol wieder abgeschafft – auch, um den weit verbreiteten Schmuggel einzudämmen. In Arcinsys finden sich daher zahlreiche Verordnungen und Anweisungen, über den Umgang mit Kaffee, seiner Besteuerung und seinem zeitweiligen Verbot.

Doch nicht nur in den historischen Quellen lässt sich die Bedeutung des Kaffees nachvollziehen. Auch in der jüngeren digitalen Überlieferung finden sich Hinweise darauf, welchen festen Platz das Getränk in unserem Alltag eingenommen hat. In einem Pilotprojekt übernahm das Digitale Archiv Hessen gemeinsam mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden im Jahr 2019 erstmals die Daten eines vollständigen Twitter-Accounts. Gesichert wurde der Account des ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, der mit seinem Abschied aus der hauptamtlichen Politik auch seine zehnjährige Twitter-Aktivität beendete. Die überlieferten Tweets zeigen, wie stark Twitter damals die politische Kommunikation prägte (s. dazu den Artikel in den Archivnachrichten aus Hessen, Ausgabe 2020/1, S. 95-98. Link zum ArtikelÖffnet sich in einem neuen Fenster). Eine testweise statistische Auswertung ergab, dass Schäfer-Gümbel in 811 seiner insgesamt 22.656 Tweets über Kaffee twitterte – durchschnittlich also etwa alle fünf Tage. Wenig überraschend wurden diese Tweets überwiegend zwischen 6 und 9 Uhr morgens veröffentlicht.

Graphik über die Häufigkeit zum Erscheinen des Wort Kaffees in einem Twitter Tweet
Auswertung des Twitter-Accounts von Thorsten Schäfer-Gümbel zum Wort Kaffee

Kaffee hat eine beachtenswerte Entwicklung durchlaufen. Heute ist er längst nicht mehr nur ein Genussmittel. Kaffee bringt Menschen zusammen, ist Anlass für Begegnungen und gehört für viele zu den festen Ritualen des Tages. Er strukturiert den Alltag, markiert den Beginn des Arbeitstages oder schafft mit der Kaffeepause einen Moment der Unterbrechung und des Austauschs. Kaffee ist damit zu einem globalen Phänomen geworden, das Menschen auf der ganzen Welt verbindet.

Maria Kobold, Wiesbaden

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