Montagmorgen, acht Uhr in Marburg. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und Halloween ist gerade erst vorbei. In der Abteilung Digitalisierung des Hessischen Landesarchivs wartet bereits der nächste Fall. Die Verdächtigen befinden sich allerdings weder in den endlosen Gängen und Regalreihen des Magazins oder zwischen zahllosen Aktendeckeln und Archivkartons noch in den Büroräumen, geschweige denn im Lesesaal. Sie verstecken sich zwischen tausenden Zeilen XML.
Die Digitalisierung bearbeitet neben den Digitalisaten des analogen Archivguts ganz unterschiedliche Fragestellungen zu den digitalen Daten des HLA. Entsprechend vielfältig sind die Aufgaben: Daten analysieren, Auffälligkeiten prüfen oder Dateien automatisiert verarbeiten. Während meines Praktikums lag mein Schwerpunkt vor allem auf Python, XML und digitalen Daten. Python ist als Programmiersprache quasi unser treuer Gefährte Watson und unterstützt bei der Recherche und Analyse der Indizien. Der Programmiercode (Skript) ist unser rationaler von Logik getriebener Sherlock. Beide arbeiten in diesem Äquivalent zusammen.
Der Tatort ist XML (Extensible Markup Language): ein textbasiertes Format, in dem die Informationen zum Archivgut hierarchisch strukturiert werden. Vereinfacht lässt es sich mit einer Struktur eines Archivs vergleichen: Vom Gebäude über die Magazinräume, die Regale bis hin zur einzelnen Archivale. Die Angaben in den eckigen Klammern, sogenannte Tags, zeigen die Ebene in der wir uns befinden bspw. alle Informationen zum Bestand innerhalb der Tags <bestandinfo> und </bestandinfo> (siehe: Abb.)