Vor welche technischen Schwierigkeiten Archivarinnen und Archivare bei der digitalen Archivierung gestellt werden, wurde uns bei bestem Wetter auf den grünen Wiesen der Richard-Wagner-Anlage an einem alten Apple Macintosh demonstriert. Da sich Hardware- und Software sowie Dateiformate stetig weiterentwickeln und schnell veralten, ist es umso wichtiger, die Integrität und Authentizität der Daten zu wahren. Konkret bedeutet das, möglichst langfristig stabile Dateiformate zu nutzen, um die Unverfälschtheit und Lesbarkeit zu garantieren. Während unserer Praktikumswoche vom 30. Juni bis 4. Juli 2025 in Wiesbaden konnten wir viel Neues lernen. Wir erhielten spannende Einblicke in die digitale Archivinfrastruktur, die uns bis dato zunächst einmal nur in der Theorie begegnete bzw. nähergebracht worden war. Uns wurde dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Archivwesen keine Zukunftsmusik, sondern bereits heute gelebte Praxis ist. Sie ist eine Aufgabe, die uns im Berufsleben stark begleiten wird. Während dieser Woche haben wir viel über die Besonderheiten des digitalen Archivguts und die damit verbundenen Arbeitsabläufe gelernt. So haben wir erfahren, wie digitale Unterlagen dauerhaft gesichert werden können, erhielten eine Einführung in das Digitale Magazin (DIMAG), lernten den Prozess der Erschließung anhand praktischer Fallbeispiele kennen und entwickelten exemplarisch eigene Bewertungsentscheidungen zu angebotenen Unterlagen. Diese Prozesse konnten wir praktisch an der digitalen Übernahme und Erschließung der Justizstellen des Marburger Sprengels sowie der Akten des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen erproben.

Ausbildung
Digitalisierung im Archiv: Die Zukunft ist bereits Gegenwart

Die theoretischen Lehrinhalte konnten wir auch bei der Bewertung und Übernahme von Dateien unterschiedlicher Art anwenden. Bei einer dieser Dateien handelte es sich um ein Telefongespräch im Rahmen der Ermittlungen zu einem überregional bekannt gewordenen Mord. Das Gespräch lag als Kassette einer analogen Akte bei, dessen Inhalt in das archivfähige WAV-Datei gespeichert wurde. Die Kassette kann anschließend vernichtet werden, da diese nicht für die dauerhafte Archivierung geeignet ist.
Interessante Einblicke boten uns auch die Führungen durch die Bestände des Hauptstaatsarchivs. Besonders spannend fanden wir das Oculus Memoriae des Klosters Eberbach aus dem 13. Jahrhundert und eine seltene Unterschrift Napoleon Bonapartes. Auch in die umfangreichen Bestände der Spruchkammerakten aus der Geschichte der noch jungen Bundesrepublik durften wir einen Blick werfen. Die Meldebögen und Formulare veranschaulichen eindrücklich, wie die Entnazifizierung nach dem Ende des Nationalsozialismus/nach dem Ende des zweiten Weltkriegs konkret durchgeführt wurde.
Hannah Behling, Rosalie Behling, Johannes Fechner und Marcel Wachnau, Hessisches Landesarchiv