Dieser jetzt verzeichnete Nachlass enthält umfangreiches Material zu dem Darmstädter Pianisten und Kapellmeister Friedrich Rehbock (1861–1940)Öffnet sich in einem neuen Fenster sowie zu seinem Sohn, dem Juristen und Journalisten Ernst Rehbock (1901–1971)Öffnet sich in einem neuen Fenster. Beide haben das Darmstädter Kulturleben auf unterschiedliche Weise geprägt und bereichert. Friedrich Rehbock studierte Klavier bei Franz Liszt, der sich insofern auch für seinen Schüler einsetzte, als er einen handschriftlichen Antrag nebst Entwurf für die Zurückstellung von Friedrich Rehbock vom Militärdienst am 8. September 1884 unterzeichnete. Die Sammlung enthält neben einigen bildlichen Darstellungen und Erinnerungsstücken an Liszt auch ein Foto aus Weimar 1885, auf dem der berühmte Pianist und Komponist aus einem Fenster in einen Garten schaut, in dem u. a. Friedrich Rehbock zu sehen ist, sowie eines von Liszt als alten Mann am Schreibtisch.
Liszts Rehbock
Der Darmstädter Nachlass O 59 Rehbock - Ernst und Friedrich Rehbock erschlossen
Zahlreiche Programme von Konzerten und Opernaufführungen aus den Jahren von 1873 bis 1904 liegen hier vor, die Friedrich Rehbock in Prag und Darmstadt dirigiert hat. In einer Kladde führte er darüber genau Statistik. In Prag hatte Rehbock auch Gustav Mahler kennengelernt, von dem neben anderen auch zwei Karikaturen im Nachlass überliefert sind.
Auch die Programme der Veranstaltungen des Darmstädter Mozart-Vereins von 1914 bis 1953 sind enthalten. Ausführliche Notizen zur Harmonie-Lehre weisen Rehbocks Tätigkeit als Lehrkraft der Akademie für Tonkunst aus. Die Programme von Opern, Schauspielen und Konzerten in Prag und Darmstadt geben einen Eindruck von der Vielfalt des Kulturlebens zwischen 1898 und 1914. Ein Höhepunkt seines Lebens als Pensionär war sicher die Lloyd-Pfingstfahrt nach Madeira, an der er 1935 teilgenommen hat.
Von Ernst Rehbock sind nicht nur biographische Dokumente (Zeugnisse, Studienbücher u.a.) vorhanden, sondern auch die Programme der von ihm konzipierten und organisierten Darmstädter Jugendkonzerte (1954–1970). Darüber hinaus dokumentieren diese Programme städtischer Kulturveranstaltungen in Darmstadt von 1945 bis 1948 – also noch unter Kontrolle der amerikanischen Militärregierung – den Neubeginn des kulturellen Lebens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dazu gehören auch die von Ernst Rehbock begründeten „Konzerte für die Jugend“ (1954–1970). 1966 hat er an den „Darmstädter Gesprächen“ teilgenommen, wie einige Fotografien belegen.
Der mit gut einem halben Meter Umfang sehr überschaubare Nachlass bietet bisher unbekannte Einblicke in das Darmstädter Musikleben vom späten 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und kann die hessische Musikgeschichtsforschung auf jeden Fall bereichern.
Thomas Lange, Darmstadt