In der städtischen Polizei-Registratur von Fulda belegt eine Akte den Ausbruch von drei weiblichen Häftlingen aus dem städtischen Zuchthaus ( HStAM, Best. 98 d, Nr. 51Öffnet sich in einem neuen Fenster). In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober 1810 gelang es den drei Gefangenen Maria Spahn aus Florenberg, Margaretha Schäfer aus Niederbieber und Katharina Neu „angeblich aus der Gegend von Homburg“ aus dem Zuchthaus in Fulda zu fliehen. Die Flucht, gemeldet um 7 Uhr morgens von der Zuchthausverwaltung, war von daher erstaunlich, da sie zunächst „vermittels Durchschneidung eines eisernen Stabes“ am Fenster gelang und zudem „im Angesicht der Schildwache“ geschehen war. Beides war dann auch Anlass einer in der Akte überlieferten Untersuchung. „Der Anschaulichkeit wegen will von einem kleinen Handriß von dem mit eiserenen Stäben versehenen Fenster, durch welches die Flüchtlinge entschlüpften, hierher setzen“, so die Zuchthausverwaltung in ihrem Schreiben. Neben der Meldung über den Ausbruch findet sich auch ein sofort angefertigtes „Signalment“, das als Steckbrief zur Ergreifung der geflohenen Insassinnen dienlich sein sollte und an die umliegenden Justizbeamten verteilt wurde.
Aus diesem sind Informationen zu den drei Frauen ersichtlich, die in heutiger Zeit sicher anders formuliert würden. Maria Spahn war aus Florenberg, 40 bis 50 Jahre alt, klein und von untersetzter Statur, „fast buckling, hat eine dicke Nase, graue Schielaugen, ein braunes langes Haar. Sie trug einen roth und weiß gestreiften groben Leinenrock, weißes Leinenschürzchen, roth und blau gestreiftes Mützchen. Weiße Leinenstrümpfe, gebundene Schuhe, und eine sogenannte Zipfelkappe aus schwarzen Cotun mit einem rothe Bouquet.“ Margaretha Schäfer aus Niederbieber war 55 Jahre alt und auch von untersetzter Statur, „hat ein männliches Gesicht, dicke, runde Nase, ordinairen Mund, graue Augen und Haare.“ Sie trug vor ihrer Flucht einen blauen und eine schwarzen „beidermannsrock“, einen kurzen Köller von gedrucktem Leinenzeug, ein weißes und ein gedrucktes Halstuch, ein dunkelblaues leinernes Schürzchen, hellbraune und weiß angestrickte wollen und auch ganz weiße Strümpfe mit gebundenen Schuhen.“ Katharina Neu war mit 36 Jahren die jüngste der drei Frauen. Während die Eigenschaft „aus dem Auslande“ gestrichen wurde, wurde ihre Erscheinung wieder ausführlich beschrieben: „von großer, hagerer Statur, langem Gesicht. Spitzer Nase, ordinären Mund, längliches Kin, hellbraune Augen und Haaren, welche mit einem Kamm aufgesteckt sind. Sie trug einen rothen Kotunen Rock, ein weißes Leibchen […] ein weißes Halstuch von Michelin und einen Oberrock von grünem Kotun, weiße baumwollene Strümpfe und schwarze Schuhe. Auch hat sie einen grünen seidenen Regenschirm mitgenommen.“